Gibt es hier Veganer?

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Dexter
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Gibt es hier Veganer?

Beitragvon Dexter » 1. Nov 2017, 22:44

Die Überschrift sagt schon alles. Ich habe mich im Sommer entschlossen Vegan zu leben weil ich der Ausbeutung von Tieren und der Umwelt einen Riegel vorschieben möchte. Kann sich sonst noch wer damit identifizieren?
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Fruchtfliege
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon Fruchtfliege » 2. Nov 2017, 05:08

Wie kam es dazu? Vegan zu leben ist teilweise heutzutage trendy. Da kann kann man schwer den Hipster vom Veganer aus Überzeugung unterscheiden.

Ich selber bin überhaupt nicht der Meinung.
Allerdings muss man auch nicht das billigste kaufen...
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hand
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon hand » 2. Nov 2017, 08:07

Langzeit-Vegetarier. Ganz auf tierische Produkte zu verzichten geht mir einen Schritt zu weit, obwohl es wohl konsequenter wäre.
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Herr von Böde
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon Herr von Böde » 3. Nov 2017, 21:08

Nicht wirklich.
Ich ess Fleisch, wenn auch nicht in Massen und bis auf den Döner oder die Pizza die ich mir nicht verkneiffen kann und will achte ich sehr darauf woher das Fleisch kommt.
Viel Wild ist dabei, Kaninchen aus der Haltung meines Vaters, Tiere die nicht nur ein angemessenes sondern ein gutes Leben hatten.
Ab und an mal Biofleisch aus dem Supermarkt.
Es ist insgesamt vielleicht 1kg im Monat.
Im Dezember ist es deutlich mehr ;-)

Auf Käse und Milchprodukte könnte ich nicht verzichten aber auch hier vermeide ich Massenware konsequent.
Naja, bei einigen Fertigkakaogetränken auch nicht immer - aber selten.

Ich persönlich - also das bitte nicht als (ab)Wertung Deiner Einstellung die ihre volle Berechtigung haben kann verstehen ! - halte für mich alles was nicht natürlich ist für idiologieverdächtig und durch Schuldkomplexe motiviert.
Der Mensch ist seinen natürlichen Anlagen entsprechend omnivor. Dh. meine Physis ist an fleischhaltige Nahrung angepasst.

Schlimm finde ich auch die Einstellung aus dem Menschn etwas besonders machen zu wollen, so zu tun als sei er nicht Teil der Natur. Das respektvolle Töten von Jagd und/ oder Fischbeute ist mir als natürlichem Wesen eine Verantwortung und eine Fähigkeit der ich mich als Teil des natürlichen Lebensprozesses - zu dem das Sterben und Erbeuten und erbeutet werden- auf der Welt, nicht enziehen darf durch eine (für mich) mir falsch, kindlich und unreif erscheinende Sicht auf den Menschen und die Natur.
Für mich (persönlich) wäre ein veganes Leben Ausdruck von Dekadenz.

Und nochmal, das Gesagte gilt für mich. Ich kann nachvollzieh das man die Schnauze voll hat von der Art und Weise wie mit Tieren umgegangen wird, mir geht ganz genauso.
Mir scheint aber der Ausweg kann unmöglich das andere Extrem sein das mir selbstverleugnerisch vorkommt.

Wer Fleisch essen will der soll auch selber schlachten. Das führt als einziges - so glaube ich - zu einem angemessenem Respekt vor dem Tier. Und kann der Natur - und Selbstentfremdung entgegwirken.
Sowohl das blinde und stumpfe Fressen annonymen Massenfleisches wie auch die vegane Lebensweise erscheinen mir wie zwei Seiten derselben Medaille, die sich Selbstentfremdung nennt.
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
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chronic
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon chronic » 4. Nov 2017, 00:14

Da Denke ich ähnlich wie Herr von Böde. Für mich ist der vegane Gedanke zwar im Kern löblich seine Ausführung jedoch mit einigen Ungereimtheiten und unrealistischen Schwärmereien verbunden. Meiner Meinung nach bedarf es einer ganz neuen ethischen Herangehensweise um die Achtung vor der Kreatur und seiner Umwelt in Einklang zu bringen. Für mich ist es ein Wiederspruch einer Ideologie hinter her zu laufen die nur in einer mehr als satten Gesellschaft so funktioniert wie es viele Veganer leben. In der Menschheitsgeschichte gab und gibt es einige Gesellschaften in denen voll auf Fleisch und bei einigen allgemein auf tierische Produkte verzichtet wird. Das sogar seit mehreren tausenden von Jahren was zeigt das sich diese Systeme bewährt haben. Allen voran die lokalen Hindu Küchen Indiens die Laktovegetarisch daher kommen oder die Küche der Jains die alles was vom Tier kommt ablehnt. Das sind gesunde Küchen die es gelernt haben Menschen mit all den benötigten Nährstoffen zu versorgen. Gut ich kenne in meinem Bekanntenkreis einige Leute die es verstehen schmackhafte vegane Gerichte zu zaubern und die sich gesund ernähren. Für mich hört es allerdings da auf wo einige Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen oder ihre kleinen Kinder Vegan ernähren und so möglicherweise in Kauf nehmen das sie Mangelerscheinungen bekommen. Das ist alles schon passiert. Auch kann ich es nicht nachvollziehen das man sich zwar aus Solidarität mit Tieren nicht mehr von eben diesen ernährt aber keinen Skrupel hat Textilien oder Schuhe aus Kunststoffen zu tragen deren Erzeugung und Verarbeitung die Umwelt, Flora und Fauna bis hin zu den Menschen schädigen. Hinzu kommt, dass von den nur 10% für die Landwirtschaft nutzbare Fläche über 80% keinen Ackerbau zulassen und nur für die Weidewirtschaft geeignet sind. Würden diese Gebiete weg fallen würde das den Hungertot für unzählige Menschen bedeuten. Zum anderen ist Tier Dung immer noch einer der wichtigsten Dünger in vielen Ländern. Ich weiß auch das man aus alternativen Stoffen hochwertigen Dünger herstellen kann. Nur fehlt dieses Wissen oftmals. Selbst wenn es vorhanden wäre würde der Verrottungsprozess von pflanzlichen Stoffen einfach zu lange dauern bzw. fehlen oft die benötigten Mengen an Dünger. Das was ich meine bezieht sich nicht auf das massenhafte Gülle ausbringen in den Industrieländern noch auf den Einsatz von mineralischen Düngern mit all ihren schädlichen Eigenschaften. Davon ab ist deren Verfügbarkeit begrenzt sowie deren Verwendung in der Landwirtschaft eine unsinnige Vergeudung die langfristig nicht mehr gut zu machen ist. Die Realität sieht nun mal grade in den weniger entwickelten Ländern anders aus als man sich das satt und mit einseitigen Blick in den westlichen Industrieländern wünscht. Hinzu kommt das viele Menschen sich aus purer Armut gar nicht erst damit befassen ob es Sinn macht Vegan zu leben. Das ist einfach zu abstrakt.

Was wir brauchen ist eine gerechtere Welt, weniger Turbokapitalismus der auf Ausbeutung setzt und eine neue Bewertung wie ich mit meiner Umwelt und den uns anvertrauten Tieren umgehe. Massentierhaltung, Turbokühe sowie alle anderen Quälereien und Sauereien moderner industrialisierter Landwirtschaft sind strikt abzulehnen, gar zu ächten. Wenn Tierhaltung dann so Artgerecht wie möglich. Qualzuchten oder eine auf Maximierung gerichtete Landwirtschaft sollten verboten werden. Wird ein Tier geschlachtet sollte das so human wie möglich passieren. Gut es wird immer noch umgebracht. Doch dafür kann das Leben für Haustiere bei vernünftiger Haltung Vorteile bringen. Das z.B. eine Milch Kuh in Folge gedeckt wird ist abartig wie auch das frühe Schlachten wenn die Milchleistung nachlässt. Das es anders geht dafür gibt es Beispiele in anderen Kulturen wo Kühe ihren Lebensabend freilaufend in Ruhe verbringen dürfen. Das sogar auf Milchfarmen die immer noch genug verdienen wenn die Milch nicht zum Massenprodukt verkommen ist.

Ich selber versuche mittlerweile meinen Fleischkonsum einzuschränken. Das heißt Fleisch gibt es bei uns nur noch an zwei bis drei Tagen in der Woche. Ziel ist ein noch größerer Verzicht. Mittlerweile kennen wir einige Produzenten bei denen man Fleisch kaufen kann das von Tieren stammt die ihre meiste Zeit auf Weiden verbringen durften und wenn sie geschlachtet werden nicht noch zig Kilometer durch die Gegend geschuckelt werden um dann in einem weit gehend automatisierten riesigen Schlachthof unwürdig sterben zu müssen. Ich finde es auch voll in Ordnung das Fleisch einiges mehr kosten darf wenn es dafür möglichst human plus umweltgerecht wachsen durfte. Ähnliches möglichst bei Pflanzlichen Lebensmittel. Leider ist vieles bezüglich der Herkunft bei Gemüse und Obst unklar weswegen wir einige Sachen gar nicht mehr oder nur sehr selten kaufen.
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hand
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon hand » 4. Nov 2017, 03:50

Ich denke, das tiefer liegende Problem ist auch hier mal wieder die unkontrollierte Vermehrung und Überpopulation des Planeten durch den Menschen. Je mehr es zu ernähren gilt, desto schwieriger wird es, dies für den Großteil mit ethischen Mitteln zu bewerkstelligen. Wachstum auf einem begrenzten Raum kann nicht grenzenlos sein, auch wenn die blinden heutigen Systeme es gerne so hätten.

Mit gutem Beispiel voranzugehen ist ein nobles Ziel. Ich persönlich habe mich so an die fleischlose Ernährung gewöht, dass ich es nicht mehr vermisse, bzw. mich sogar gesünder fühle ohne.
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Herr von Böde
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon Herr von Böde » 5. Nov 2017, 07:34

Ich finde diese Video verdeutlicht am Beispiel der Jagd was ich mit Respekt vor dem Tier in Anbetracht der Tatsache das dises getötet wird meine. Die Aussage könnte sonst zu arger Verwirrung führen.

Es spiegelt durch die Kommentare die Gedanken, das sehr bewusste Handeln wieder das mE. nötig ist bei jedem Umgang mit Tieren das moralischen Ansprüchen genügen soll, auch wenn nicht getötet wird.
Diese bewusste Reflektion geht durch ein kategorischen Vermeiden dieser Auseinandersetzung (das bei der veganen Lebensweise gleichermassen gegeben ist wie beim Massenfleischkonsum ) einfach verloren, sie scheint mir notwenig um sich angemessen , narturgemäß -und damit m.E.= richtig - in der Welt zu positionieren.
Dazu muss natürlich nicht gejagt werden aber wer Kanichen als Schmusetiere halten kann, kann sich vielleicht eigenes und einwandfreise Fleisch gönnen. Unser Gewissen ist hier völlig verdreht, entfremdet.
Es ist gut und richtig das es nicht so leicht fällt ein Tier das man kennt, großgezogen hat, zu schlachten, die Fragestellung will ich jetzt wirklich Fleisch essen im Anblick des noch lebenden Tieres ist die Auseinandersetzung die fehlt, die vermieden wird.Und dann natürlich die Konsequentz die daraus folgen müsste, dann, entscheidet man sich dagegen, nicht ersatzweise zum Schweinekottlett zu greifen das unter grausamsten Bedingungen auf den Teller kam.
Und wer sein Gewissen in Bezug auf Tiere derart geprüft hat und bei der Entscheidung zum veganen Leben ankommt, müsste konsquenterweise viel weiter gehen. Er ist auf dem Weg die verdrehung des Gewissens zu erkennen und sollte nicht stehen bleiben.
Chronik nannte hier das Beispiel der Textilien, die Liste in Wahrheit unendlich lang... Und dann braucht man für die Lebensweise die sich daraus ergibt einen ganz neuen Begriff.
Das meine ich auch mit Entfremdung, hier auf den Fleischkonsum bezogen, natürlich zieht sie sich durch das gesamte typisch zivilisierte Leben.

Für mich jedenfalls ist völlig klar das nicht eine Überbevölkerung oder "der Mensch" als socher der irgendtwas Übernatürliches, jedenfall Abgehobenes, darstellen soll Probleme va. für den Menschen verursach (nicht für die Natur, für die ist die Naturgewalt Mensch nichts anders ale eine Entwicklungschance, wie Kometeneinschläge, Totalvereisungen und ander Megakatastrophen es immer waren), sondern schlich die Verantworttungslosikeit des Einzelnen, die genau an einem solchen Thema sich wunderbar zeigen lässt . Nur der Einzelne handelt in Verantwortung , Staaten, Ideologien, Parteien, Relgionen, annonyme Instanzen können das grundsätzlich nicht.
Aber das will kaum einer wahr haben und darum streitet man sich lieber über Dummheiten wie links oder rechts, rot oder schwarz, Christ oder Moslem, und verschwendet eine Menge Energie für Ablenkungsmanöver von der Selbstverantwortung. Und man fühlt sich auch noch großartig weil man die eigene Größe darin zu erkennen meint die andern nur als zu dumm für die Wahrheit identifizieren zu können.
Die Wahrheit erkennt aber jder, denn dafür braucht es keinen Intellekt, es ist das Grummel im Bauch das aufkommt lässt man sich auf den Gedanken ein dass das Wenige das man persönlich tun kann um am Übel in der Welt, am Hunger in Afrika, an qualvoller Tierhaltung und allem anderm, etwas zu ändern gleichzeitig Alles ist was man tun kann und zwar ganz grundsätzlich.
Von daher, veganes Leben: vielleicht ein guter Anfang! Aber bitte bleib nicht da stehen.

"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon greenRaccoon » 8. Nov 2017, 14:39

Ich habe 12Jahre vegan gelebt, angefangen damals aus Idealismus und dem Gedanken ich würde etwas ändern, später dann nur noch aus Gewohnheit.
Letztes Jahr habe ich wieder angefangen tierische Produkte zu konsumieren(wobei ich keine Milchprodukte mehr konsumieren kann, da nach so langer Abstinenz der Lactoseabbau nicht mehr funktioniert).
Es ist einfach eine Illusion, dass man durch den Verzicht auf tierische Produkte irgendetwas ändern kann. Der Fleischkonsum geht stetig zurück, es gibt immer mehr Vegetarier und Veganer und trotzdem
wird immer mehr Fleisch produziert. Solange es Subventionen und ähnliches gibt, wird die Fleischproduktion leider nicht an den Konsumentenwillen gebunden sein.

Ich finde übrigens den Aspekt der Menschen beim Veganismus um einiges wichtiger als den der Tiere. Menschen in drittwelt Ländern verhungern obwohl dort Massen an Getreide produziert wird. Ist leider alles Futter für die Fleischproduktion.
Alles in allem wird die Diskussion aber meines Erachtens immer viel zu sehr auf einer Gefühlsebene geführt und nie sachlich. Menschen brauchen kein Fleisch zum leben, aber sie sind auch keine Mörder wenn sie Fleisch essen. Ein gesunder, bewusster Umgang mit Lebensmitteln sollte propagiert werden anstatt irgendwelcher Extremvarianten. Deutschland eines der reichsten Länder der Welt und erst Recht Europas, mit den billigsten Lebensmitteln, wann sehen die Leute endlich ein, dass gutes Essen eben nicht 50 Cent kostet und aus der Dose kommt...


just my 2 cents,

der grüne Waschbär
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wubba lubba dub dub
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon wubba lubba dub dub » 8. Nov 2017, 19:47

Menschen halt.. 6 mal die Woche zu Mcces und dann wundern, dass man die verschiedensten Nebenwirkungen hat.
Daraufhin wird zum Arzt gerannt und mit Psychopharmaka gegen gehalten.
Ernährung ist A und O und einer der Hauptgründe für viele Krankheiten und persönliche Leiden.
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Re: Gibt es hier Veganer?

Beitragvon Fruchtfliege » 8. Nov 2017, 21:57

Wubba, darf ich das mal zusammen fassen?
Du bist was du isst.

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