Gibt es die eine Wahrheit?

Moderatoren: Zebra, Corto, syzygy

Gibt es die eine Wahrheit?

Ja, es gibt die eine Wahrheit.
15
36%
Ich weiß es nicht...
12
29%
Nein, es gibt sie nicht.
15
36%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 42
Benutzeravatar
Gaius
Beiträge: 630
Registriert: 29. Mär 2015, 11:47

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Gaius » 6. Jan 2018, 13:19

Genau das ist ja das Problem, das lässt sich nicht mit Sprache / Verstand / schreiben / lesen diskutieren. Aus dem Grund haben z.B. manche Japaner sich hin gesetzt, ihren Verstand mit paradoxen Rätseln (Koans) zum kollabieren gebracht und/oder es mit Stille versucht.
Meister Joshu unterwies die Menschen: „Es heisst:`Die Wahrheit wurde nicht geboren, sie wird nicht sterben.`Ferner heisst es:`Wenn du sprichst, spendest du Leben; wenn du nicht sprichst, taucht der Tod auf.`Diese Sprüche sind von keinerlei Nutzen. Was ist also dann das Prinzip des Nicht-Geborenseins und Nicht-Sterbens?“
Ein Mönch bemerkte: „Dies ist bereits `nicht geboren, nicht sterbend`, oder?“
Joshu meinte: „Alles, was der Mensch kennt, ist diese eine Phrase.“
Entweder versucht man wieder ein Konzept daraus zu machen, oder...
Benutzeravatar
Herr von Böde
Beiträge: 1260
Registriert: 18. Apr 2016, 00:33
Wohnort: Planet Earth (meist)

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Herr von Böde » 6. Jan 2018, 15:59

Ok, dann sind wir uns da scheinbar einig? Der reine Verstand taugt zu nichts, findet er nichts Erfahrbares vor, ausser sich selbst erfindet er Probleme mit denen er arbeiten kann . Z.B den Zeifel an der eignen Existenz.

Dh. aber nicht das mit dem Erfahrbarem nicht vernünftig umgegangen werden kann. Und das keine Wahrheit im Kontext der Lebensdienlichkeit gefunden werden kann. Keine vollständige, allumfassende aber eine allgemeingültige, tatsächliche und nicht konstruierte.

Ich möchte nochmal an einem konkreten Beispiel zeigen zu welchen Erstarrungen und nicht lebensdienlichen Unflexibilitäten die Priorisierung der Ratio vor der Erfahrung führt.
Man fühlt sich unanürlicherweise gezwungen zu einer wiederspruchsfreihen - dann in der Tat konstruierten - Haltung.
Das Beispiel ist der bekannte Fall des Polizisten der zur Auffindung eine entführten Kindes, Jakob von Metzler, dem Entführer Folter androht wenn dieser den Aufethaltsort des Opfers nicht preisgibt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Daschner-Prozess

Man positioniert sich hier, durch den in unserer Gesellschaft verherrlichten Rationalismus reflexhaft, für oder gegen den Polizisten und findet dann - egal wie man sich gezwungen sieht zu entscheiden mit ernsthaften ethischen Problemen konfrontiert.

Kaum jemand kommt auch nur auf die Idee zu sagen das der Polizist richtig und falsch zugleich gehandelt hat, das lässt die Ratio kaum zu.
Das man von einem Poliziten genau dieses Handeln erwartet, das man aber ebnso von ihm erwartet das er selbst erwartet dafür bestraft zu werden.
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
Benutzeravatar
Gaius
Beiträge: 630
Registriert: 29. Mär 2015, 11:47

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Gaius » 8. Jan 2018, 19:40

Naja, ja klar, das ist ja der "Bezugsrahmen", hier kann man sich natürlich auf ein richtig oder falsch einigen, nur gibt es nie nur diesen einen, richtigen Bezugsrahmen, das wird halt häufig vergessen.
Benutzeravatar
Herr von Böde
Beiträge: 1260
Registriert: 18. Apr 2016, 00:33
Wohnort: Planet Earth (meist)

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Herr von Böde » 8. Jan 2018, 21:38

Welchen gibt es denn noch ? Ohne in die Metaphysik abzugleiten ...
Es geht mir am Ende um die Begründung praktischer, ethischer Fragen, die durch den Konstruktivismus der Beliebigkeit preisgegebn sind. Mir gehts icht um die totale Wahrheit, nur um diese (lebens-)praktischen Aspekte derselben.

Auch wenn es auf der Hand liegen sollte sehe ich darum meine Schwäche auch viel ehr darin den direkten Nachweis zu führen das der Konstuktivismus - oder sagen wir ruhig der Rationalismus - diese Beliebigkeit bedingt.
Vielleicht gar diese Beliebigkeit überhaupt zu verdeutlichen.

Das muss an Beispielen funktionieren und könnte durch die Tatsche einleuchten das diese Haltungen die Soziologie und die gesamte Mainstreampädagogik prägen.

Immer ist es ganz wichtig Klienten und Patienten zb.in Leitbildern von Einrichtungen mitzuteieln das man sie so annimmt wie sie sind.
Das klingt gut, wäre es auch.
Praktisch bedeutet dies aber eben nicht die Annahme des Soseiens der Menschen, sondern den Versuch das Sosein in eine Funktionalität zu bringen. Nicht in eine Gesundung. Funktionalität wird mit Gesundung gleichgesetzt (darin zeigt sich die Beliebigkeit, tatsächlich konstruiert wird hier der nützliche Mensch).
Annehmen bedeutet anschauen, forderungsloses Feedback, Reflektion - auf gleichberechtigter Ebene.
Tatsächlich passiert Pressen um nicht zu sagen Erpressen und Überlisten durch Autoritäten, durch Subjekt (Autorität) - Objekt (Klient) Beziehungen.
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
Benutzeravatar
Herr von Böde
Beiträge: 1260
Registriert: 18. Apr 2016, 00:33
Wohnort: Planet Earth (meist)

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Herr von Böde » 9. Jan 2018, 16:03

Oh, beim letzten Abschnitt hab ich glatt das Ziel aus den Augen verloren.

Was gibt dem erwähnten Leitbild nun die Berechtigung?

Es ist der professionelle Umgang des "Behandlers" mit dem Behandeltem.

Es ist quasie das Verbot des natürlich menschlichen Umganges mit den Klienten.
"Dies Einstellung von Ihnen macht mich fürchterlich wütend..." darf vielleicht noch gesagt werden, der dazu passende Ausdruck aber schon nichtmehr gezeigt werden.

Dies wäre ein ehrliches, natürliches, empathisches Feedback das ausgeschaltet wird.

Das ist der einzige Sinn socher Leitbilder. Das Behandlungssubjekt muss auf alles Beliebige gleich rational reagieren, keinesfalls menschlich.

Es ist die Einschränkung der Menschlichkeit für Arbeiter in solchen Berufen.
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
Benutzeravatar
Leuchtkugel
Beiträge: 204
Registriert: 18. Sep 2017, 16:03

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Leuchtkugel » 22. Jan 2018, 22:13

Ja es gibt die eine Wahrheit.
Das ist die, die alles miteinander verbinden kann.

*gerade ein bisschen high bin* :fever2:
Benutzeravatar
Kukulcan
Beiträge: 516
Registriert: 15. Jan 2014, 11:44
Wohnort: KA ÁN

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Kukulcan » 23. Jan 2018, 17:30

Moin zusammen,
ich habe auch eine Meinung:
Der reine Verstand taugt zu nichts
Haargenau!
Ein Gros aller neueren Erfindungen bzw. Entdeckungen sind rein zufällig gemacht worden.
Penezillin, Radioaktivität, Bienensterben (Durch Parasit verursacht), Bienenzucht (Varroa Milbe stirbt durch Lithiumchlorid), Teflon usw...
Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.
Mark Twain
Benutzeravatar
Herr von Böde
Beiträge: 1260
Registriert: 18. Apr 2016, 00:33
Wohnort: Planet Earth (meist)

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Herr von Böde » 23. Jan 2018, 19:36

Naja, er taugt schon zu was.
Er kann sagen : " Ich muss nicht mit dem Kopf gegen den Apfelbaum rennen damit ein Apfel herunterfällt, ich kann auch mit den Händen schütteln !" nachdem er die Erfahrung gemacht hat das ein Beben im Baum Äpfel fallen lässt.

Das ist schon enorm stirnschonend u. U. :alberteinstein.gif:

Mathematik ist ja schon ganz lebensdienlich, man sollte nur nicht den Fehler machen den Verstand über das Lebensdienliche hinaus für alleingültig zu halten.

Auf das Lebensdienliche bezogen kennt der Regenwurm genug Wahrheit um den nächsten Halm in Wirklichkeit zu finden, ganz ohne Verstand - ohne das ich den Würmern da zu nahe treten will. :)

So macht es keinen Sinn von Realitätskonstruktionen auszugehen sondern von naturaus begrenzten Perpektiven, von Detaillerkenntnissen einer Wahrheit.
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
Benutzeravatar
Leuchtkugel
Beiträge: 204
Registriert: 18. Sep 2017, 16:03

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Leuchtkugel » 26. Jan 2018, 18:12

Zu deinem letzten Satz gibt es ein schönes Beispiel das ich von Wolf Dieter Storl gehört habe.
Mit dem Mensch und dem Jenseits ist es wie mit 3 Blinden die um um einen Elefanten stehen, die versuchen zu begreifen was das für ein Ding vor ihnen ist.
Der eine Blinde sagt aus der Distanz "Ich kann es genau spüren, es ist eine Schlange" er nahm nur den Rüssel wahr.
Der nächste sagt "Nein das ist falsch, es ist ein Baum" er spürte nur ein Bein des Elefanten.
Der letzte war Naturwissenschaftlich veranlagt und vertraute nur seinem Tastsinn, er sagte "Ihr habt beide unrecht, es ist ein Besen", dabei tastete er den Schwanz des Elefanten ab.
Benutzeravatar
Herr von Böde
Beiträge: 1260
Registriert: 18. Apr 2016, 00:33
Wohnort: Planet Earth (meist)

Re: Gibt es die eine Wahrheit?

Beitragvon Herr von Böde » 27. Jan 2018, 12:55

Ja und jetzt stell Dir drei blinde Elefanten vor die einen Philosophen begutachten,das kommt der Sache wahrscheinlich noch näher.

"Oh, es ist warm, zweibeinig und ohne Federn, ein zweibeiniger Säuger oder ein gerupfter Straus."

Das es sich um einen Philosophen handelt kann nicht ergründet werden solange keine Kommunikation stattfindet.
Aber warum sollten die Elefanten soetwas unsinniges Versuchen?
Und wie sollten sie -als Elefanten - das auch versuchen ?
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß

Zurück zu „Spiritualität und Philosophie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste