Nach der Legalisierung: Besondere Cannabis Kultivare

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chronic
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Re: Nach der Legalisierung: Besondere Cannabis Kultivare

Beitrag von chronic » 28. Sep 2022, 23:12

Stressen von Pflanzen bringt unter dem Strich nichts. Die Pflanze muss das kompensieren was ihr auf der einen Seite genommen wurde und steckt nur einen Teil in die Abwehr von Umwelteinflüssen.In Form von Alkaloiden oder bei Hanf Umwandlungsprodukte von Terpenphenolen. Quantitativ eher ein Minusgeschäft mit niedriger Ernte.

Colchicin als Mutationsbeschleuniger spielt mehr bei industrieller Züchtung eine Rolle. Es ist nicht damit getan einfach Haploidenzüchtung zu betreiben. Es musss anschließend selektiert werden um aus all den Mutationen geeignete Pflanzen zu finden. Die meisten Mutationen sind nicht wirklich brauchbar.
Ge'ez ጫት

Rajas_green
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Re: Nach der Legalisierung: Besondere Cannabis Kultivare

Beitrag von Rajas_green » 29. Sep 2022, 16:09

Cannabisgenetik ist ein großes Thema.

Prinzipiell sollte man verstehen wo Cannabis herkommt und einordnen können was man da eigentlich vor sich hat.

Ein erster Einstieg ist vielleicht, dass Cannabis Sativa botanisch gesehen Faserhanf ist und Cannabis Indica ein sehr anregender Rauschhanf aus Indien ist.
Innerhalb westlicher Cannabis Kulturen, hat sich in den 60er bis 80er Jahren ein Fundus von Genetik angesammelt, die durch Wettbewerbe und Marketing Bekanntheit erfahren haben. Es sind sehr sehr kleine genetische Bandbreiten verglichen mit der Vielfalt in den Ursprungsländern, die wir für „Cannabis“ halten.

In Deutschland ist man mit der Nähe zu den Niederlanden vorallem holländische Genetik gewohnt.
Neville Schoenmaker hat es mit seiner Haze Genetik zu Ruhm gebracht. Hierfür hat er vorallem sehr spezielle „Thai“ Strains eingesetzt mit der typischen, agressiven Wirkung und damit auch das Gerücht über starkes Cannabis in die Welt gesetzt. Jetzt steht doch auf der Seite der anregenden Pflanzen eine Sorte die viele Menschen nicht gut vertragen.
In den USA hat man sich für Haze Sorten eher in Richtung Kolumbien orientiert und nach Weihrauch duftende Sorten als Polarität für die anregenden Sorten errichtet. Die Terpene die für den typischen Weihrauchduft zuständig sind, sind angstlösend. Dort gelten diese reinrassigen anregenden Sorten aus Kolumbien und Mexiko oft als spirituell.

Ich kann nur das Buch von Robert C. Clarke empfehlen und sich mit der modernen Nomenklatur von Cannabis zu beschäftigen.
Hier unterscheidet man tropische Pflanzen mit schmalen Blättern, die am gesamten Äquator kultiviert werden und eher breiten Blättern die vorallem in nördlicheren Regionen vorkommen - kurz NLD und BLD.
Und natürlich alle Zwischenformen. Die Kultur aus der das Saatgut kommt ist auch nicht ganz unwichtig. In Nordindien findet man Hybride aus anregenden Sorten und Faserhanf, ganz einfach weil es dort kalt wird und man auch Kleidung hergestellt hat. So kommt es dort zu politisch korrekten CBD Sorten, die in der Regel aber nicht sedierend wirken.

Spannend ist auch die japanische Cannabiskultur. Hier hat sich mit dem Shintoismus eine sehr naturnahe Spiritualität auch mit Gebrauch von Cannabis entwickelt. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges hat man die älteste bekannte Cannabiskultur innerhalb weniger Jahre nahezu vollständig lahmgelegt. Die japanischen Faserhanfsorten duften zum Teil nach Chrysanthemen und waren nur den hochstehenden Persönlichkeiten zugänglich. Hanf als Faser ist ein sehr wichtiges Thema, wo beispielsweise europäische Sorten mittlerweile kaum spezialisiert für Industrien sind sondern hauptsächlich für das Einhalten bestimmter THC grenzen gezüchtet wurden.

Von Pauschalisierungen darf man sich allerdings nicht zu sehr anstecken lassen. Vielmehr muss man sich mit den Kulturen beschäftigen.
So wird in afghanischen Regionen beispielsweise nicht nur entspannendes Kraut angebaut sondern auch sehr anregende Kultivare waren schon immer Teil dieses unfassbar diversen Landes.

Aber auch Deutschland hatte in seinen Gründungsjahren einen starken Bezug zu Cannabis. Wurde Deutschland doch in der Paulskirche vor diesem Portrait gegründet:
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Das Bild ist komplett geschichtlich gemeint und hat nichts mit meinen politischen Ansichten zu tun.
Was ich sagen möchte ist, Cannabis ist ein sehr stark von Kulturen geprägtes Thema das jenseits des Rausches viel für Neugierige zum entdecken bietet.
So wie Kaffee die Droge der Aufklärung war, die Leute tagsüber nicht mehr nur Bier tranken, wurden die Leute nüchtern und entdeckten ihren Verstand.
Womöglich hat die romantische Studentenbewegung und Cannabis einen Einfluss auf das Gefühl von Zusammengehörigkeit in den Gründerjahren Deutschlands gehabt.
Daher bin ich einer der Leute die den Prozess der Einbindung von Cannabis in die Gesellschaft gern verfolgt und mal schauen was alles passiert :)
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