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chronic
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Beitragvon chronic » 17. Feb 2014, 23:53

Die Wüste begrünen – Eritreas Manzanar Mangroven Wunder

Von Thomas C. Mountain- Übersetzt von Einar Schlereth

Entlang der beinahe fast ausgedörrten Wüstenküste am Roten Meer kann man das Wunder eines grünen Waldes finden, der sich über 10 km erstreckt – das Manzanar Mangroven-Projekt.

Es wurde vor ca. 15 Jahren an der Zulu Bay-Küste begonnen, einst die Heimat von Afrikas verlorener Zivilisation Punt. Nun ist dort ein üppiger Mangrovenwald wiederhergestellt worden inmitten von tausenden von Kilometern Wüste, der nun eine geschützte Bucht ist für sowohl Fische und Garnelen als auch eine Futterquelle für Tiere. Mangrovenblätter und -samen liefern fast die gesamten Nahrungsbedarf für Ziegen, Schafe und Kamele, wodurch die Menschen dieses Gebietes mit Milch und Fleisch versorgt werden, was zusammen mit Fisch ihren Lebensunterhalt seit urdenklichen Zeiten bildete.

All dies ist das Werk eines japanischen Amerikaners, Dr. Gordon Sato, der sein persönliches Vermögen, das er durch medizinische Erfindungen gewonnen hatte, nahm und es dazu benutzte, die früher unfruchtbaren sandigen und verschlickten Buchten in einen smaragdgrünen Dschungel zu verwandeln, fast 7 m hoch, wobei er Salzwasser benutzte. Genau, Salzwasser kann benutzt werden, um unfruchtbare Küsten aufzuforsten, und es kann sogar ins Inland gepumpt werden und zum Begrünen der Wüste verwendet werden.

Alles, was dazu vonnöten ist, ist ein wenig Stickstoff- und Phosphordünger in Plastikbehältern mit zwei Löchern, um ein allmähliches Entweichen des Düngers zu ermöglichen. Das vergräbt man etwa 60 cm tief im Sand und Mangroven können dort wieder wachsen, wodurch eine trostlose, zerstörte Küste in ein grünes Wunder von Meeresleben und lebenspendendem Wald verwandelt wird.

Die niedrige Mangrove, so oft verteufelt als Quelle von stinkenden, von Insekten und Krankheiten verseuchten Sumpfgebieten, ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Trockenheit, Küstenverwüstung. Küstenerosion und einer Reihe anderer Probleme, die an den Küsten der Ozeane der Welt auftauchen. Mangroven wachsen gewöhnlich nur, wo es genügend Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor gibt, die sich nicht in Salzwasser finden, aber von Süßwasserabflüssen herbeigeführt werden. Durch die jahrtausendelange Verwüstung sowohl der ost- und westafrikanischen Küsten als auch der Küsten im westlichen und südlichen Asien sind viele der einst gut gedeihenden Mangrovenwälder verschwunden und finden sich nur noch an wenigen isolierten Punkten.

Aber all dies ändert sich, obwohl man sich nur wundern kann, weshalb bei all dem Gerede über Klimaveränderung Dr. Sato nicht Empfänger von hunderten von Millionen Dollardarlehen ist, um zu helfen, dieses Wunder in der ganzen Welt zu verbreiten. Heute, wo sein privates Vermögen verbraucht ist, sind auch andere Geldquellen versiegt, obwohl er Umweltpreise von der Rolex Foundation und der Asahi Foundation erhalten hat, und Dr. Satos Werk ist an seine Grenzen gestossen.

Und der Grund weshalb, kann durch das eigentliche Konzept erklärt werden, drei widersprüchliche Ideen: Manzanar, Mangroven und Wunder. Zuerst der Name: das Manzanar-Projekt ist benannt nach einem Verbrechen gegen die Menschheit, begangen in den USA unter der Federführung von zwei der berühmtesten „Liberalen“ der US-Geschichte des 20. Jahrhunderts, Franklin Roosevelt und Earl Warren. Hunderttausende amerikanischer Japaner wurden Opfer einer ethnischen Säuberung, die auf Befehl von Präsident Franklin Roosevelt und dem Gouverneur von Kalifornien, dem späteren Obersten Richter Earl Warren bei Ausbruch des 2. Weltkrieges durchgeführt wurde. Sie wurden verhaftet und ins Gefängnis geworfen und ihr gesamter Besitz und Eigentum wurde legal gestohlen, und am Ende wurden sie in Konzentrationslager gesperrt, häufig inmitten einer richtig schlimmen Wüste – und all dies geschah durch die Führer, die als die führenden Leuchten des Liberalismus in den USA bezeichnet wurden. Eines dieser Lager hieß Manzanar, und dort fand sich Dr. Sato als kleiner Junge zusammen mit seiner Familie eingesperrt, wegen keines Verbrechens verurteilt, aber dennoch wie Kriminelle behandelt, und nur, weil sie die falsche Hautfarbe hatten.

Dass Dr. Sato sein Mangrovenprojekt nach solch einem Verbrechen benannt hat, ärgerte gewiss die Mächtigen in den von den USA beherrschten Hilfswerken. Und darüberhinaus sind Mangroven und Wunder zwei Wörter, die nicht zusammen benutzt werden, beinahe konzeptuell widersprüchlich in den Köpfen der meisten Leute in der sogeannten „Ersten Welt“. Manzanar*, Mangroven und Wunder – drei sehr unterschiedliche Konzepte, gelinde gesagt. Man setze sie zusammen in Eritrea, und man hat ein weiteres Beispiel dafür, wie Nachrichten über einen Umweltdurchbruch von globaler Bedeutung von den Mächtigen in der westlichen Welt unterdrückt werden, sowohl den offiziellen wie den inoffiziellen.



* Anmerkung d. Ü.: Das Manzanar War Relocation Center oder kurz Manzanar war während des Zweiten Weltkrieges 1942–1945 eines der zehn Internierungslager der Vereinigten Staaten im Rahmen der Internierung japanischstämmiger Amerikaner aus einer Sperrzone an der Westküste, die als Sicherheitsrisiko betrachtet wurden ("Enemy Alien"). Von den bis zu 10.046 Internierten waren etwa 2/3 in den Vereinigten Staaten geborene Staatsbürger der USA. Das Lager lag in der Mitte zwischen den kleinen Ortschaften Independence und Lone Pine im Tal des Owens River, Inyo County, Kalifornien auf der Ostseite der Sierra Nevada zu Füßen des Mount Williamson.
Manzanar heißt Apfelplanzung auf Spanisch – eine zusätzliche Ironie. Und nicht zu vergessen, dass Eritrea wegen seiner unabhängigen Politik schon lange von den USA ins Visier genommen und - ja richtig – wegen Terrorunterstützung auch mit Sanktionen belegt wurde.

http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=509
Originalquelle:http://www.countercurrents.org/mountain070710.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Gordon_H._Sato
http://www.rolexawards.com/profiles/lau ... to/project
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chronic
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Salat statt Beton - Gärtnern in der Stadt

Beitragvon chronic » 7. Mär 2014, 11:34

Salat statt Beton - Gärtnern in der Stadt

Susanne Aigner 23.02.2014

Rettet das die Welt?

Noch vor einigen Jahrzehnten bauten die Bewohner von Städten ihr Gemüse selbst an. Damals bevölkerten sogar Hühner, Ziegen, Kaninchen und Schafe die Hinterhöfe. Dann kam das Wirtschaftswunder - Gärten und Tiere verschwanden allmählich aus dem Stadtbild. Inzwischen ist Gärtnern wieder angesagt: Gemeinschaftsgärten schießen wie Pilze aus dem Boden - und das überall auf der Welt.

Alles begann damit, dass Robert Shaw und Marco Clausen[1] im Jahr 2009 über Nomadisch Grün[2], einem gemeinnützigen Verein, ein 6000 qm großes Gelände in Berlin-Kreuzberg pachteten, das vorher viele Jahrzehnte brach gelegen hatte. Am Anfang galt es den Müll wegzuräumen. Sie rechneten mit 30 Helfern aus der Nachbarschaft - gekommen sind 150.

Heute ist der Prinzessinnengarten[3] einer von 130 Gärten, die von der Stiftung InterKultur unterstützt werden. Nicht nur vielfältige Nutzpflanzen seltener Sorten werden ohne Chemie angebaut, sondern ihn bereichern auch einige Bienenvölker. In der Saison kann man über 500 Gemüse- und Kräutersorten selber ernten und kaufen. Ein Teil des Erntegutes wird im eigenen Gartencafé verarbeitet. Die Überschüsse gehen wieder in den Garten und in kleine lokale Projekte. So finanziert sich der Garten inzwischen selbst.

Arbeitslose, Migranten und Senioren - immer mehr Menschen werden im Alltag durch behördliche Entscheidungen in eine passive Opferrolle getrieben. "Im Garten tauschen sie nicht nur Erfahrungen über den Gemüse- und Kräuteranbau aus", erklärt Marco Clausen. Der Garten bietet eine Möglichkeit, sich als jemanden zu erfahren, der partizipativ etwas mitgestaltet. Viele erlangen so ein neues Selbstvertrauen.

Plötzlich ist das Gartenwissen russischer oder türkischer Frauen gefragt, die vorher nur am Rande wahrgenommen wurden. Nun können sie ihre jahrelangen Praxiserfahrungen aus der Heimat anwenden und anderen zeigen.

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Das Besondere an dem Garten am Moritzplatz ist seine Mobilität: Plastikgitter auf Holzpaletten sowie Säcke, Kisten und Tetrapaks, eben alle Gefäße, die man wegtragen kann, wurden mit Erde befüllt und bepflanzt. Denn die Flächen sind versiegelt und zum Teil noch belastet. Nebenbei werden Flaschen, Tüten, Säcke - alles was normalerweise im Müll landet - wieder verwertet.

Allerdings: Dem Gelände droht der Verkauf - im Juni 2012 wäre es fast soweit gewesen. Ein offener Brief an den Senat mit mehr als 30 000 Unterschriften konnte die Privatisierung gerade noch verhindern. Momentan verhandeln die Initiatoren mit der Stadt über eine Nutzungsverlängerung um weitere fünf Jahre.

Essbare Stadt Andernach
In dem 30.000-Einwohner-Städtchen am Rhein hat sich in den letzten drei Jahren Einiges getan: Wo früher Efeu an altem Gemäuer empor wucherte, wachsen nun essbare Pflanzen. Kein Schild mahnt: Betreten der Rasenfläche verboten! Im Gegenteil: Pflücken ist erlaubt.

Weintrauben, Kürbisse, Tomaten, Erdbeeren, aber auch vergessene Wildpflanzen wie Kornblume und Adonisröschen verschönern das Stadtbild. Die Idee für Essbare Stadt Andernach[4] entwickelte der Geo-Ökologe Lutz Kosack:

Wir fordern die Bürger auf: Bitte bedient Euch, nehmt Euch Früchte und Samen, pflanzt sie in Euern Garten und vervielfältigt die seltenen Sorten!

Denn das Saatgut soll in der ganzen Stadt verbreitet werden. Bis 2010 gab es nur langweilige Grünflächen in der Stadt. Dann hatte der engagierte Stadtplaner eine Vision: Die Dreckecken sollten aufgeräumt, bepflanzt und damit aufgewertet werden. Als diese Ecken aufgeräumt und aufgeblüht waren, weitete man das Projekt auf die ganze Stadt aus, die wortwörtlich zum Lebensmittel - Punkt wurde: Ein Fünftel der Grünanlagen sind heute mit Gemüse, Obstbäumen und Beerensträuchern bepflanzt. Nicht nur Angestellte, auch Langzeitarbeitslose arbeiten mit und haben Freude daran.

Im Mittelpunkt steht die Sortenvielfalt: In einem Jahr gab es rund 300 Tomatensorten, im nächsten 100 Bohnensorten. 2012 standen vielfältige Zwiebelsorten im Mittelpunkt. Die Beete mit heimischen Kräutern wie Katzenminze, Taglilien und Grünkohl müssen seltener bepflanzt und gepflegt werden als früher. Die Pflanzen blühen und wachsen von alleine, damit beträgt die Pflege der Beete nur noch ein Zehntel der früheren Kosten. Nicht nur die Stadtverwaltung war vom Gartenkonzept schnell überzeugt. Inzwischen ist Andernach mehrfach ausgezeichnet worden[5].

Der befürchtete Vandalismus blieb aus. Im Gegenteil: Die Stadt ist heute viel attraktiver als früher und lockt mehr Touristen an. Das buntstielige Mangold sei schöner als jede Rose, freut sich eine Seniorin. Die essbaren Pflanzen steigern die Lebensqualität, und die Bürger erfreuen sich an den Kräutern und Gemüsebeeten. Eine Investition in die Zukunft, meint Lutz Kosack, denn sollte der Klimawandel wirklich kommen, verbessern die Gärten das Klima und werten die Stadt auf[6]

Freiham - Gartenstadt des 21. Jahrhunderts
Landwirtschaftliche Aktivitäten bestimmen seit jeher die Münchner Stadtgeschichte, nicht nur von den 50.000 städtischen Kleingärtnern. Von 4.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche gehören 2.500 Hektar zehn Gutsbetrieben an. Darüber hinaus gibt es 13 Interkulturelle Gemeinschaftsgärten[7], zwei Jugendfarmen und 18 Krautgärten. In einigen Schulen ist Gartenbau Bestandteil des Unterrichts: Die Schüler bauen selber Kräuter an und lernen, wie sie riechen und wachsen. Die Kräuter werden später in der Schulküche verwertet.

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Am Stadtrand von München wird es bald ein naturnahes, zukunftsweisendes Wohngebiet geben: In Freiham wird auf 350 Hektar Land Wohnraum für rund 20.000 Menschen entstehen - in kleinteiliger Struktur, mit Freiraum und viel Grün. Ein Freiluftsupermarkt ermöglicht die Selbsternte, auch eine Baumschule ist geplant.

Bestehende Äcker und Wiesen werden nicht asphaltiert, sondern landwirtschaftlich genutzt - als Krautgärten oder naturnahe, wandernde Spielflächen. Öffentliche und private Freiflächen dürfen mit essbaren Pflanzen bepflanzt werden. Bis zu ihrer Bebauung werden die Flächen temporär landwirtschaftlich genutzt. 2017 sollen die ersten Bewohner einziehen[8].

Interkulturelle Gärten
Während den westlichen Großstädtern der Bezug zum Garten häufig fehlt, ist er in den landwirtschaftlich geprägten südlichen Ländern fester Bestandteil des Alltags. Deshalb bringen Einwanderer, wenn sie nach Deutschland kommen, ihre individuellen Erfahrungen in der Gartenpraxis mit - und häufig auch exotische Gewächse, die sie hier anpflanzen - wie die Vietnamesin Hang Lam, die zum harten Kern der IG in München-Perlach gehört. Sie kommt jeden Tag eine Stunde in ihren Garten, "um den Kräutern beim Wachsen zuzuschauen". Unter ihren Kräutern und Tomaten sind auch Gewürzkräuter aus Vietnam.

Die ersten Internationalen Gärten entstanden 1996 in Göttingen auf Initiative deutscher und zugewanderter Familien aus zwölf Ländern. Heute gibt es rund 100[9]. Diese Gärten bieten einen Raum, in dem sich Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen einander annähern, andere Sprachen und Ansichten kennen lernen.

Im Sprachengewirr verständigt man sich über Gemüse, Kräuter und Gartenbaumethoden. Jeder bringt etwas aus seiner Kultur mit. Deutsche und Nichtdeutsche bauen beim gemeinsamen Gärtnern Ängste ab und räumen Vorurteile aus. Gemeinsam mit den deutschen Nachbarn wird gegrillt, gegessen, es werden Erfahrungen ausgetauscht.

Man lernt sich kennen und entflieht gleichzeitig den Sorgen des Alltags. Gemeinschaftsgärten werden somit zum besonderen Ort der Völkerverständigung. Gärtnern kann auch zur Therapie werden, wie im Rosenduftgarten auf dem Gelände des Gleisdreiecks in Berlin. Von den rund 30 Frauen, die hier Beete angelegt haben, kommen die meisten aus Bosnien.

Während des Gärtnerns entfliehen sie nicht nur der alltäglichen Gegenwart, sondern auch den belastenden Erinnerungen aus dem Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre, in dem viele Frauen ihre Angehörige verloren. Für einige von ihnen ist das Gemüsebeet nicht nur wichtiger Bestandteil, sondern auch der wichtigste Halt im Leben[10].

Urban Gardening auf Spanisch

Auch in anderen Ländern sind Stadtbewohner auf den Geschmack gekommen - wenn auch nicht überall die Behörden so bereitwillig mitspielen. In Spanien zum Beispiel wird seit Beginn der Wirtschaftskrise verstärkt Gemüse angebaut. 2011 schlossen sich in Madrid acht unabhängige Stadtgärten zusammen.

"Um der Bewegung eine stärkere politische Bedeutung zu geben", erklärt Pablo Llobera, Umweltberater und Aktivist des Netzwerkes. Obst und Gemüse seien dabei nur der sichtbare Teil der Gärten, der weniger sichtbare sei die Nachbarschaftshilfe. Auch fände ein ständiger Austausch mit den Behörden statt: Sie sollen sehen, was hier passiert und den Gärten eine gesetzliche Grundlage geben[11].

In Barcelona brachte die Stadtverwaltung zunächst wenig Verständnis dafür auf, als engagierte Bürger begannen, vergammelte Grünflächen umzugraben und Gemüse anzupflanzen. Doch die Garten-Guerilla ließ sich von Platzverweisen nicht einschüchtern: Sie besetzte ein öffentliches Grundstück und gründete einen Gemeinschaftsgarten.

In Spanien gibt es kaum Schrebergärten, dafür aber - wie in Barcelona - jede Menge verlassene Häuser, die von Jugendlichen besetzt werden. So erlaubten die Hausbesetzer eines ehemaligen Armenhospizes den Stadtgärtnern, "ihren" Garten zu nutzen. Damit wurden zwar auch die Gärtner zu Besetzern, zudem schwebte über allem eine Räumungsklage. Joana Córdoba, Vorkämpferin der spanischen Stadtgärten, sieht die Dinge pragmatisch:

Schließlich haben wir ein verlassenes Gelände in einen produktiven Garten verwandelt.

Was ist daran kriminell? Zu dieser Ansicht muss auch die Polizei gekommen sein, die nach mehrmaligen Besuchen im Garten nur Menschen vorfand, die friedlich in den Beeten wühlten - und sie gewähren ließ. Von der Sache hat wohl die Stadtverwaltung erfahren. Denn in einem der heruntergekommenen Viertel, in dem Anwohner den Asphalt aufgerissen hatten, um zwischen Müll und Abrisshäusern Gemüse zu pflanzen, erklärten die Behörden die illegal angelegten Beete im Nachhinein für offiziell. Sogar ihre Einzäunung war nun erlaubt.

Ist das erfolgreiche Stadtplanung von unten? Wenn ja, werden die Nachahmer nicht lange auf sich warten lassen. Denn Eins wird deutlich: Die Gemüsebeete in Barcelona werten nicht nur die schäbigen Stadtviertel auf, auch Nachbarn kommen wieder miteinander ins Gespräch[12], Arbeitlose finden eine sinnvolle Beschäftigung - und neue Freunde.

Gemüse in Säcken
Im afrikanischen Alltag spielt die Selbstversorgung eine viel zentralere Rolle als in Europa, denn hier ist die Frage der Ernährung häufig eine Überlebensfrage. In den Slums von Nairobi zum Beispiel haben mehrköpfige Familien kein Geld, um sich teures Gemüse auf dem Markt zu kaufen. Doch gerade die Kinder im Schulalter brauchen eine ausgewogene Ernährung, die durch Reis und Hirse auf die Dauer nicht gedeckt wird.

Auf Initiative der italienischen Hilfsorganisation COOPI[13] errichtete man in den Slums so genannte Sackgärten. Sie gehören allein erziehenden Müttern, die ohne fremde Hilfe ihre Kinder durchbringen müssen. Mit Hilfe des Gemüseanbaus in Säcken versorgen sie sich und ihre Familien. Sackgärten bieten den Vorteil, dass sie wenig Raum brauchen, und in dem warmen afrikanischen Klima wachsen die Pflanzen schnell.

Die Bepflanzung geht so: Bevor die Erde in den Sack hinein kommt, wird der Boden mit Steinen beschwert. Bewässert wird mit Regenwasser, das in die tieferen Ebenen und zu den Wurzeln der Pflanzen dringt, die an den Seiten durch die Löcher heraus wachsen. Schon nach drei Wochen ernten die Frauen eigenes Gemüse. Das Pflanzenschutzmittel wird zu Hause über dem Feuer gekocht: Ein scharfes Gebräu aus Chili, Zwiebeln, Knoblauch und Seife. Ausgebracht auf die Gemüsepflanzen, vertreibt es zuverlässig Blattläuse und Schnecken.

Mit Mutterboden und Saatgut kostet ein Sack rund 15 Euro. In einem der Slums ernten heute rund 500 Frauen eigenes Gemüse für ihre Familien, darunter Zwiebeln, Paprika und Kohl. Manchmal bleibt sogar Gemüse übrig, das sie verkaufen und von dem Geld andere Lebensmittel wie Eier einkaufen können. So sichert der Garten dauerhaft eine abwechslungsreiche Ernährung auch in großen Familien[14].

Rettet Gärtnern die Welt?
In Zeiten, in denen Staat und Politik immer weniger Vertrauen entgegen gebracht werden, hält Christa Müller, Autorin des Buches Urban Gardening[15] die Garten-Initiativen an der Basis für besonders wichtig. Für sie steht fest: Gärtnern muss die Welt retten![16].

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Auch wenn sie sicher nicht alle Probleme des industriellen Wachstums lösen, sind Gemeinschaftsgärten doch Ausdruck wieder entdeckter Natur in einer zunehmend technisierten Welt. Sie sind wichtige Experimentierfelder - gerade im Hinblick auf die Selbstversorgung.

Und sie üben Kritik an den etablierten Machtstrukturen einer stetig wachsenden Nahrungsmittelindustrie. Denn bei allem Spaß am gemeinsamen Gärtnern geht es vor allem um die Frage: Wie abhängig sind wir eigentlich von den Lebensmittelkonzernen? Sind wir überhaupt noch fähig, unser Essen selbst zu produzieren? Ganz nebenbei lernt so manch einer beim Anlegen der Gemüsebeete, die Lösung seiner Probleme wieder selber anzugehen.

Anhang

Links
[1]

https://www.youtube.com/watch?v=OrNk6TVVysE
[2]

http://prinzessinnengarten.net/impressum/
[3]

http://prinzessinnengarten.net/wir
[4]

http://speiseraeume.de/essbare-stadt-andernach-fotos
[5]

http://www.andernach.de/de/leben_in_and ... stadt.html
[6]

http://www.youtube.com/watch?v=3C4cLxwMBOk
[7]

http://urbane-gaerten-muenchen.de/
[8]

http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtver ... eiham.html
[9]

http://www.internationale-gaerten.de/in ... b_2003.pdf
[10]

http://www.3sat.de/page/?source=/kultur ... index.html
[11]

http://gensol.arte.tv/spanien-gardening
[12]

http://www.newslichter.de/2013/02/gemus ... rosstadte/
[13]

http://www.coopi.org/it/home
[14]

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/fs-kenia-garten-2
[15]

http://www.urban-gardening.eu
[16]

http://www.youtube.com/watch?v=qc427F57Vhg

Quelle: http://www.heise.de/tp/druck/mb/artikel/41/41066/1.html
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Pusemuckel
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The Great Green Wall

Beitragvon Pusemuckel » 13. Mär 2014, 15:43

Great Green Wall - kontinentbreiter Grüngürtel gegen die Wüstenbildung

Von Senegal bis Dschibuti - mit internationaler Hilfe sollen in der Sahelzone wieder Wälder entstehen

In Afri­ka nimmt ein ge­wal­ti­ges Vor­ha­ben im Kampf gegen die Wüs­ten­bil­dung ganz all­mäh­lich Ge­stalt an. Im west­afri­ka­ni­schen Se­ne­gal wur­den schon meh­re­re tau­send Hekt­ar Bäume für die "Great Green Wall" ge­pflanzt, be­rich­te­te "The Eco­lo­gist" [1]. Diese "Große Grüne Mauer" soll sich auf einer Brei­te von rund 15 Ki­lo­me­tern und Länge von über 7600 Ki­lo­me­tern von Se­ne­gal an der West- bis zu Dschi­bu­ti an der Ost­küs­te des Kon­ti­nents er­stre­cken. Die vor­der­grün­di­ge Idee hin­ter der "Great Green Wall for the Sa­ha­ra and Sahel In­itia­ti­ve" (GGWS­SI) be­steht darin, durch das An­pflan­zen von Bäu­men eine grüne Mauer zu schaf­fen, durch die die Aus­brei­tung der Wüste ver­hin­dert und mit deren Hilfe nach Mög­lich­keit noch Aus­gangs­punk­te für wei­te­re grüne Schutz­zo­nen ge­schaf­fen wird.

Das Zeit­fens­ter für den Auf­bau der grü­nen Mauer ist in zwei­fa­cher Hin­sicht knapp. Zum einen soll­te wäh­rend der manch­mal nur zwei Mo­na­te wäh­ren­den Re­gen­zeit ge­pflanzt wer­den, da die üb­ri­ge Jah­res­zeit zu tro­cken für die Bäume wäre. Zum an­de­ren brei­tet sich die Wüste immer wei­ter aus; die Sa­ha­ra dehnt sich pro Jahr um rund einen Ki­lo­me­ter wei­ter nach Süden aus [2]. Fast 40 Pro­zent Afri­kas sind be­reits von der De­ser­ti­fi­ka­ti­on be­trof­fen; nach Ein­schät­zung der Ver­ein­ten Na­tio­nen wer­den zwei Drit­tel der land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che bis zum Jahr 2025 ver­lo­ren­ge­hen, wenn der Trend nicht auf­ge­hal­ten wer­den kann.

Auf den ers­ten Blick klingt es ein­fach: Man setzt Bäume in die Erde und ach­tet dar­auf, daß sie an­wach­sen. Aber schon dabei hat man hier­zu­lan­de kaum Vor­stel­lun­gen davon, was es be­deu­tet, wenn die Men­schen nur zu be­stimm­ten Jah­res­zei­ten Nie­der­schlags­was­ser haben und in der üb­ri­gen Zeit die Wege zu den nächs­ten Was­ser­stel­len oft­mals viele Ki­lo­me­ter weit sind. Da wird nor­ma­ler­wei­se jeder Trop­fen zum Trin­ken, Ko­chen und nö­ti­gen Wa­schen ver­wen­det, nicht aber dazu, es wie­der aus­zu­gie­ßen und ver­si­ckern zu las­sen.

Neben der min­des­tens zeit- und stel­len­wei­se not­wen­di­gen Be­wäs­se­rung der grü­nen Mauer be­steht ein wei­te­res rie­si­ges Pro­blem in Heu­schre­cken­pla­gen. Die Sa­hel­zo­ne wird re­gel­mä­ßig von rie­si­gen Schwär­men die­ser ge­frä­ßi­gen Tiere heim­ge­sucht. Die ver­til­gen alles Grün­zeug, nicht nur Pflan­zen, son­dern auch bei­spiels­wei­se grüne Klei­dung, die zum Tro­cken an der Wä­sche­lei­ne hängt. Ein ak­tu­el­les Bei­spiel un­ter­streicht, daß mit den Auf­fors­tungs­ak­ti­vi­tä­ten auch Pro­gram­me zur Be­kämp­fung der Heu­schre­cken auf­ge­legt wer­den müs­sen, damit das Grün der Bäume nicht ab­ge­fres­sen wird: In Mali und Niger ist in die­sem Jahr die schlimms­te Heu­schre­cken­pla­ge seit 2005 aus­ge­bro­chen [3].

Nie­mand weiß mit Si­cher­heit zu sagen, ob sich die Wüste durch einen fünf­zehn Ki­lo­me­ter brei­ten Grün­strei­fen auf­hal­ten läßt. Denk­bar ist, daß die enor­men Sand­stür­me so viel Fracht aus der Sa­ha­ra be­för­dern, daß der Wald immer wie­der mit Sand über­schüt­tet wird. Selbst wenn das nicht pas­siert, müßte damit ge­rech­net wer­den, daß sich die Wüste nörd­lich und süd­lich der grü­nen Mauer aus­brei­tet.

Ein wei­te­rer Fak­tor, von dem Er­folg oder Schei­tern der In­itia­ti­ve ab­hän­gig ist, ist der Mensch. Das grüne Band er­streckt sich durch ei­ni­ge Kon­flikt­ge­bie­te, in denen es nicht ge­fahr­los mög­lich wäre, Bäume an­zu­pflan­zen und zu pfle­gen. So hat erst vor kur­zem in Mali das Mi­li­tär ge­putscht; im Nor­den des Lan­des hat sich die MNLA (Na­tio­na­le Be­we­gung für die Be­frei­ung des Aza­wad) der Tua­reg er­ho­ben, gleich­zei­tig wer­den sie von Is­la­mis­ten der Be­we­gung für Ein­heit und Dschi­had in West­afri­ka (Mujao) be­drängt.

Dar­über hin­aus droht Wild­fraß die Pflan­zen zu be­schä­di­gen, und die Men­schen sind teil­wei­se so arm, daß das Feu­er­holz, das sie aus dem Wald ge­win­nen könn­ten, für sie von hohem Wert ist. In der ge­sam­ten Sa­hel­zo­ne herrscht eine la­ten­te bis akute Hun­gers­not.

All diese Pro­ble­me und Be­den­ken sind na­tür­lich kein Grund, das Pro­jekt nicht vor­an­zu­brin­gen, im Ge­gen­teil. In dem se­ne­ga­le­si­schen Dorf Widou be­ginnt be­reits der Bau der grü­nen Mauer, be­rich­te­te Bobby Bas­com­be für den "Eco­lo­gist". Hier wer­den ver­schie­de­ne Aka­zi­en­ar­ten für die Pflan­zung vor­be­rei­tet. Se­ne­gal be­treibt so­wie­so schon ein um­fang­rei­ches Auf­fors­tungs­pro­gramm und hat seit 2008 jähr­lich rund 5000 Hekt­ar Wald an­ge­legt und pflanzt jähr­lich rund zwei Mil­lio­nen Bäume. Die Große Grüne Mauer kommt noch hinzu.

Die Welt­bank un­ter­stützt das Ge­samt­vor­ha­ben mit ins­ge­samt 1,8 Mil­li­ar­den Dol­lar, die Glo­bal En­vi­ron­ment Fa­ci­li­ty legt noch 108 Mio. Dol­lar oben drauf. Das sind rie­si­ge Sum­men für ein "Öko-Pro­jekt", aber eine ge­rin­ge In­ves­ti­ti­on an­ge­sichts der Chan­ce, vor allem den viele Jahre ver­nach­läs­sig­ten länd­li­chen Raum zu stär­ken."The Eco­lo­gist" zi­tiert Jean-Marc Sin­nas­sa­my, Pro­gramm­lei­ter bei der Glo­bal En­vi­ron­ment Fa­ci­li­ty, mit den Wor­ten: "Wir fi­nan­zie­ren keine Baum­pflan­zungs-In­itia­ti­ve. Es hat mehr mit Land­wirt­schaft, länd­li­cher Ent­wick­lung, Er­näh­rungs­si­cher­heit und nach­hal­ti­gem Land­ma­nage­ment als mit dem Pflan­zen von Bäu­men zu tun." [1]

Stär­kung des länd­li­chen Raums - genau das aber ist etwas, das Ent­wick­lungs­or­ga­ni­sa­tio­nen seit lan­gem for­dern und von IWF und Welt­bank lange Zeit ver­nach­läs­sigt wurde. Erst seit­dem die glo­ba­le Land­flä­che in den Fokus des in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­ka­pi­tals ge­rückt ist und es zeit­gleich zu einer welt­wei­ten Preis­ex­plo­si­on bei Nah­rungs­mit­teln kam, wer­den ver­mehrt Stim­men laut, die die Ver­nach­läs­si­gung des länd­li­chen Raums in Afri­ka be­kla­gen. Ob sie damit aus­schließ­lich das Wohl der ver­arm­ten Klein­bau­ern im Sinn haben? Wohl kaum, das Phä­no­men des "Land-Grab­bings" hat in­zwi­schen den Weg in den all­ge­mei­nen Wort­schatz ge­fun­den: Die land­wirt­schaft­li­che Flä­che ist es, die Be­gehr­lich­kei­ten weckt. Die Men­schen, die dar­auf tra­di­tio­nell leben und wirt­schaf­ten, wer­den eher als Stör­fak­tor an­ge­se­hen.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­scheint die Große Grüne Mauer wie ein über­di­men­sio­nier­tes Fei­gen­blatt für eine Ent­wick­lungs­po­li­tik, wel­che die exis­ten­ti­el­len Sor­gen der für Öko­no­men un­in­ter­es­san­ten Klein­bau­ern stets igno­riert hat. Was nicht be­deu­ten soll, daß das Pro­jekt der Great Green Wall nicht alle er­for­der­li­che Un­ter­stüt­zung er­hal­ten soll­te, damit es zum Er­folg ge­führt wird.
Fuß­no­ten:

[1] "The Great Green Wall", The Eco­lo­gist, 12. Juli 2012
http://www.theecologist.org/trial_inves ... _wall.html

[2] "Fight­ing the sands of time", 11. Juli 2012
http://www.africa-eu-partnership.org/su ... sands-time

[3] "Niger: Exe­cu­ti­ve Brief: De­sert Lo­cust thre­at in the Sahel 2012", Food and Agri­cul­tu­re Or­ga­niza­t­i­on (FAO), 13. Juli 2012
http://humanitariannews.org/20120713/ni ... -july-2012

http://www.schattenblick.de/infopool/po ... a2067.html

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Re: The Great Green Wall

Beitragvon chronic » 13. Mär 2014, 16:02

Na so einfach ist es nicht das dort einfach Bäume in die Erde gesetzt werden. Grade im Senegal ist das Projekt weit gediehen. Angepasste Bäume (Akazien und andere einheimische Bäume) werden mit Mykorhiza Pilzen beimpft und in Permakulturprojekten mit der einheimischen Bevölkerung ausgebracht und betreut. Das Projekt ist bis dato erfolgreich. Das ein wie in dem Bericht nur 15 Km breiter Grüngürtel was ausrichten soll wage ich zu bezweifeln. Vielmehr wird es so sein das die hoffentlich einmal vernetzten Projekte einen wesentlich breiteren Streifen begrünen werden. Durch das vermehrte Grün erhofft man sich als Nebeneffekt eine Verbesserung des regionalen Wetter. Sprich es soll mehr Regen geben. Schon heute finden erste einheimische Produkte dieser neuen Art der Landwirtschaft ihren Weg nach Europa. Beste Beispiele das wieder erwachte Interesse an Shea Butter, einem Produkt des Karitébaum das Verwendung in der Kosmetik findet oder Fruchtextrakte des Affenbrotbaum (Adansonia digitata), die immer mehr bei uns verwendet werden.
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Re: The Great Green Wall

Beitragvon Pusemuckel » 13. Mär 2014, 16:12

Ich hab mal irgenwann einen Bericht im Fernsehen gesehen, da haben es Bauern in einem eigenen Kleinprojekt sogar geschafft, den Grundwasserspiegel durch Pflanzung von Bäumen soweit anzuheben, daß sie sogar normale Ladnwirtschaft betreiben konnten ohne künstliche Bewässerung!! Ist aber schon zeimlich lange her, ich weiß auch nicht mehr auf welchem Sender etc.......
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Algen im Tank

Beitragvon Pusemuckel » 24. Jul 2014, 10:19

Suche nach dem Supersprit
Flugzeuge sollen mit Algen-Kerosin fliegen

Heben Flieger bald mit Algen-Kraft ab? Wenn es nach deutschen Forschern geht schon. Größtes Hindernis ist nicht die Technik sondern die teure Produktion der Pflanzen. Daher wird nun nach einer besonders gut wachsenden Alge gesucht.

Ladislav Nedbal hat zu seinen Algen ein recht spezielles Verhältnis. "Du gehst durch die Felder und siehst sie wachsen." Begeisterung schwingt mit. Wobei der Wissenschaftler durch ein "Feld" der etwas anderen Art geht: Es liegt im Forschungszentrum Jülich, in einem Gewächshaus, ausgestattet mit Messtechnik und Schläuchen, die mit Wasser gefüllt sind. Darin wachsen Algen. Das mit dem "Wachsen-Sehen" darf man durchaus wörtlich nehmen.

Die winzigen Algen vermehren sich rasend schnell und produzieren sieben- bis zehnmal so viel Masse wie Landpflanzen. In den durchsichtigen Schläuchen färben sie das Wasser grün. Die Luftfahrt sieht in den Algen einen Rohstoff für das Kerosin der Zukunft: In 20 Jahren könnten möglicherweise viele Flugzeuge damit fliegen.
Algen als platzsparende Alternative zu Landpflanzen

Vereinzelt haben Flugzeuge schon Kerosin aus Pflanzenöl im Tank. Joachim Buse, Vorstand der Biokraftstoff-Initiative der Deutschen Luftfahrt (Aireg), sieht Pflanzenöle aus klassischem landwirtschaftlichen Anbau kurz vor der Wettbewerbsfähigkeit. Der Verein, dem alle deutschen Airlines angehören, verfolgt das Ziel, alternative Kraftstoffe mit besserer CO2-Bilanz in den Verkehr zu bringen.

Buse denkt weiter: "Die Nachfolge-Generationen sind dann möglicherweise in 20 Jahren die Algen." Sie würden keine Agrarflächen verbrauchen und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Algen produzieren viel Masse, wachsen platzsparend in Schläuchen, Röhren oder Sieben und enthalten bis zu 70 Prozent fette Öle, ähnlich dem Pflanzenöl.
Die Suche nach der Super-Alge

Aber im Vergleich zu fossilem Treibstoff seien sie noch zu teuer, sagt Andreas Müller, einer der Jülicher Projektkoordinatoren. Kontrovers diskutierte Berechnungen gingen von einem Faktor fünf bis zehn aus. Die Jülicher Forscher haben mit elf Partnern mit einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit begonnen. Der Bund fördert das Projekt Aufwind mit 5,7 Millionen Euro.

Parallel dazu suchen die Forscher nach der Super-Alge. Das Ideal für die Kerosin-Produktion: eine Alge, die möglichst viel Kohlenstoffdioxid aufnehmen und gar nicht genug Sonne kriegen kann. "In der Natur wachsen die Algen zum Licht. Wenn es zu viel wird, geben sie die Sonnenenergie wieder ab. Wir wollen sie so züchten, dass sie das Licht weiter nutzen können", sagt Nedbal. So könne die Effizienz gesteigert werden.
In der Theorie startklar

Es ist die berühmte Suche im Heuhaufen: "Rund 40 000 Algenarten sind bekannt und es gibt Schätzungen von bis zu Hunderttausenden Arten", sagt Andreas Müller und stellt einen entfernten Vergleich mit der Kartoffelzucht an. Im Vergleich dazu legt die Algenzucht ein extrem hohes Tempo vor: Bei die Züchtung brauchen Kartoffeln etwa zehn, aber auch schon mal 30 Jahre, die Algen gerade mal ein paar Tage. "Wenn wir den richtigen Kandidaten finden, wird es wirtschaftlich interessant", so Müller.
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Die Flugzeuge wären schon jetzt startklar für das Algen-Kerosin. "Alle alternativen Kraftstoffe können in den Triebwerken, wie sie heute sind, verbrannt werden", sagt Buse. Bis dahin ist es dennoch ein weiter Weg. Mit 1500 Quadratmeter Algen-Produktionsfläche rangieren die Jülicher nach eigenen Angaben europaweit ganz vorn. Trotzdem käme ein Flieger mit der produzierten Jahresmenge nicht sehr weit. Ganze sechs Minuten könnte er fliegen, haben die Forscher ausgerechnet.
http://www.focus.de/wissen/technik/auf- ... 09642.html
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Re: Algen im Tank

Beitragvon LOPHÖPHORA » 24. Jul 2014, 22:18

Interessante Sache. Leider zur Zeit technisch zu aufwendig, das es sich nicht lohnt.

Lukrativer ist zur Zeit wohl die Algenzucht für Nahrungsergänzungsmittel.
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Beitragvon chronic » 20. Sep 2014, 18:46

Initiativen für eine bessere Welt

Im Rahmen des Impact Journalism Day spannen 40 Zeitungen weltweit zusammen, und präsentieren Lösungen für soziale, technische und ökologische Probleme. Menschen und Projekte, die unsere Welt zum Besseren verändern. Eine Auswahl.

http://www.tagesanzeiger.ch/extern/storytelling/ijd/
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Re: Grüne Nachrichten

Beitragvon chronic » 20. Jan 2015, 18:02

Der Bio-Anbau bringt's

Monokulturen, jede Menge Spritzmittel und eine Bewirtschaftung im industriellen Maßstab: Konventionelle Landwirtschaft ist ökologisch fragwürdig, gilt aber als erheblich produktiver als der biologische Anbau. Wie groß die Ertragslücke zwischen diesen Anbauformen tatsächlich ist, haben US-Forscher nun in einer Metastudie überprüft. Ihr Fazit: Die Produktivität des biologischen Anbaus wurde bisher stark unterschätzt. Nutzt man Techniken wie den gemischten Anbau und den Fruchtwechsel, dann schrumpft die Ertragslücke auf weniger als zehn Prozent. Das aber bedeutet, dass auch mit biologischen Anbaumethoden weltweit genügend Nahrung für alle erzeugt werden kann.

Die konventionelle Landwirtschaft ist zwar enorm produktiv, verursacht aber auch viele Umweltprobleme, darunter den Verlust von Lebensräumen und der Artenvielfalt, Giftwirkungen durch Pestizide, Überdüngung von Böden und Gewässern und vieles mehr. "Wenn wir die Produktivität der Erde auf lange Sicht erhalten wollen, müssen wir so bald wie möglich nachhaltige und belastbare Praktiken entwickeln und einsetzen", konstatieren Lauren Ponisio und ihre Kollegen von der University of California in Berkeley. Doch der biologische Anbau gelte bisher als zu wenig produktiv, um den Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung decken zu können. "Das stellt uns vor ein Dilemma: Wie können wir die Nahrungsproduktion halten oder steigern, ohne die Nachhaltigkeit dafür zu opfern?", so die Forscher. Bisherige Vergleiche ergaben für den konventionellen Anbau ein Plus von 20 bis zu gewaltigen 180 Prozent.

Ponisio und ihre Kollegen haben diese Ergebnisse nun in der bisher umfangreichsten Metastudie zu diesem Thema überprüft. Für ihre Analyse griffen sie auf Daten aus 115 zuvor veröffentlichten Vergleichsstudien zurück. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern schlossen sie dabei verfälschende Ergebnisse aus einfacher Subsistenzwirtschaft in den Entwicklungsländern aus und verglichen primär Anbaumethoden mit vergleichbar hohem Wissens- und Technologiestandard. Insgesamt werteten sie 1.071 direkte Vergleiche von konventionellen und biologischen Anbaumethoden aus.

Eine Lücke von weniger als zehn Prozent

"Wir haben dabei eine deutlich geringere Ertragslücke gefunden als die vorhergehenden Metaanalysen", berichten die Forscher. Demnach liegen die Erträge aus der biologischen Landwirtschaft um rund 19,2 Prozent niedriger als die der konventionellen – und dies sowohl bei Getreide als auch bei Gemüse oder anderen Nutzpflanzen. Zusätzlich aber zeigte sich, dass es zwei Anbau-Praktiken gibt, die diese Lücke noch weiter verkleinern können: den Fruchtwechsel und den gemischten Anbau, bei dem verschiedene Pflanzen auf einem Feld zusammen angebaut werden. Durch die Pflanzenkombination ergeben sich Synergieeffekte sowohl bei der Nährstoffversorgung als auch bei der Schädlingsabwehr. Werden beide Anbaumethoden in der biologischen Landwirtschaft konsequent und stärker als beim konventionellen Anbau üblich umgesetzt, dann kann dies die Ertragslücke auf nur noch acht beziehungsweise neun Prozent senken, wie die Forscher berichten.

Nach Ansicht von Ponisio und ihre Kollegen spricht dies dafür, dass der biologische Anbau durchaus eine vollwertige Alternative zur konventionellen Landwirtschaft sein kann. "Mit weiteren Investitionen in agroökologische Forschung und die Züchtung von geeigneten Sorten für den biologischen Anbau könnte die verbleibende Ertragslücke für einige Pflanzen und Regionen sogar ganz geschlossen werden", sagt Ponisio. Zudem bleibe dem Menschen auf lange Sicht ohnehin keine Wahl: Der Umstieg auf nachhaltige, biologische Anbaumethoden ist nach Ansicht der Forscher eine schlichte Notwendigkeit. "Wir können nicht damit fortfahren, Nahrung zu produzieren, ohne auf unsere Böden, unser Wasser und die Artenvielfalt Rücksicht zu nehmen", so die Forscher.


Quelle:

Lauren Ponisio (University of California, Berkeley) et al., Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2014.1396

© wissenschaft.de - Nadja Podbregar

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Re: Grüne Nachrichten

Beitragvon chronic » 30. Jan 2015, 11:43

Erdbewohnen für Einsteiger

Matthias Gräbner 18.01.2015


Forscher stellen eine Anleitung bereit, wie wir unseren Planeten sicher benutzen können, ohne ihn kaputtzumachen


Zu jeder Mikrowelle gibt es ein Handbuch, das manchmal sogar davor warnt, die Katze darin zu trocknen. Pappbecher machen darauf aufmerksam, dass ihr Inhalt heiß sein könnte. Aber ausgerechnet für die Erde, auf die mangels geeigneter Flucht-Technik auch noch unsere Nachkommen angewiesen sind, war keine solche Betriebsanleitung im Lieferumfang.

Vor fünf Jahren hat ein internationales Forscherteam deshalb eine Art technisches Gutachten über die Erde verfertigt. Das "Planetary Boundaries"-Konzept[1] funktioniert ähnlich wie die Betriebserlaubnis eines Fahrzeugs: Es spezifiziert, in welchen Grenzen wir unseren Planeten "betreiben" (sprich: bewirtschaften) können, sodass er nicht unbrauchbar wird. Nun braucht man für einen Planeten deutlich mehr Parameter als Zuladung, Höchstgeschwindigkeit und Treibstoffverbrauch. Und da die Erde nicht am Reißbrett entworfen und in einer Fabrik gebaut wurde, sind die exakten Werte der meisten Größen zunächst unbekannt.

Das System hat deshalb in den vergangenen Jahren eine gründliche Überarbeitung erfahren. Das Wissenschaftsmagazin Science berichtet[2] von den neuen Ergebnissen. Statt wie in der ersten Version auf neun Indikatoren setzen die Wissenschaftler nun auf 24. Die eine Hälfte zählt dabei messbare menschliche Aktivität auf (etwa Wirtschaftswachstum, Bevölkerungszahl oder Auslands-Direktinvestitionen). Die andere beschreibt Veränderungen in den wichtigsten Zyklen der Erde wie den Kohlenstoff-Zyklus, den Stickstoff-Zyklus und die Biodiversität.

Die "Große Beschleunigung"

Die neue Aufteilung ermöglicht es, geschichtliche Veränderungen besser zu beurteilen. So wird deutlich, dass etwa 1950 ein Prozess einsetzte, den die Forscher die "Große Beschleunigung" nannten. Ab diesem Zeitpunkt sind die natürlichen und die menschlichen Faktoren nachweisbar direkt miteinander verknüpft - und zwar in einer Art und Weise, bei der der Mensch den Planeten an den Rand seiner Leistungsfähigkeit treibt.

Diesen Rand haben wir, und das ist die zweite wichtige Aussage, in einigen Aspekten längst überschritten. Die Bremsen der Erde laufen offenbar schon heiß, und der Ölstand liegt unter dem Minimum. Die Wissenschaftler haben sich dabei die Mühe gemacht, die Anforderungen und Veränderungen - wo möglich - auf regionale Ebene herunterzubrechen. Denn bei Faktoren wie Wasserverbrauch oder Kohlendioxid-Emission bringen einzelne Regionen nun einmal unterschiedliche Voraussetzungen mit.

Wo betreiben wir die Erde also am Rande ihrer Kraft? Westeuropa und zentrale Bereiche der USA stufen die Forscher zum Beispiel beim Stickstoff- und Phosphorzyklus als absolute Risikogebiete ein. Die Umnutzung von Landflächen geht in Südostasien und in Zentralafrika besonders riskant voran. Der Trinkwasserverbrauch ist rund um das Mittelmeer und in Zentralindien kritisch - wobei die Erde insgesamt hier noch Reserven hat. Ein Lichtblick ist die Ozonschicht, die klar im sicheren Bereich liegt. Doch auch beim Klimawandel stehen die Signale derzeit nur auf Gelb und noch nicht auf Rot.

Die Integrität der Biosphäre, gemessen an der Biodiversität, ist derzeit wohl das Haupt-Problem. Sie gehört mit dem Klimawandel zu den beiden Parametern, deren fortdauernde Überdehnung die Erde in einen neuen Zustand bringen kann - ein Prozess, den der Mensch besser vermeiden sollte.

Anhang

Links
[1]

http://www.ecologyandsociety.org/vol14/iss2/art32
[2]

http://www.sciencemag.org/lookup/doi/10 ... ce.1259855
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