Salvia Divinorum - Meine ersten Reiseberichte

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Nimble
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Salvia Divinorum - Meine ersten Reiseberichte

Beitrag von Nimble » 11. Okt 2020, 12:23

Sommer 2020

Das Jahr 2020 hat alles verändert. Eine Pandemie hält die Welt in Atem. Die Welt hat sich für jeden von uns verändert. Doch für mich gab es wesentlich gravierendere Einschnitte in meinem Leben. Während Virologen an Corona forschten, habe ich mich der Forschung von Salvia Divinorum (auch bekannt als Azteken-Salbei) gewidmet. Diese Reiseberichte schildern den Weg eines Psychonauten.



August 2020
Erste Begegnung


Wie durch Zufall sind mir getrocknete Blätter der Salvia Divinorum quasi regelrecht in den Schoß gefallen. Ich wusste zunächst gar nicht um was es sich handelt. Nach einer ersten Recherche war ich überrascht mit was ich es hier zu tun hatte. Respekt und Neugier in gleichem Maße. Die Tage vergingen und ich habe sehr viel über die Pflanze und allerhand Trip-Berichte gelesen. Es kam wie es kommen musste, und es stand ein passendes Wochenende vor der Tür. Die Stimmungslage war positiv. Set und Setting spielen bei dem Konsum von Psychedelika eine Rolle, von daher war es nun endlich an der Zeit sich auf ein Date mit Sally einzulassen.

Zusammen mit meiner Partnerin (sie fungierte beim ersten Mal als Trip-Sitter) war es eines Abends soweit. Auf dem TV lief die Spotify App, welche den OST von Interstellar abspielte. Gedimmtes Licht, eine gemütliche Atmosphäre. Der Bongkopf mit trockenen Blättern gestopft, das Sturmfeuerzeug in der Hand, gehe ich kurz in mich und mache mich gefasst auf das große Unbekannte, so gefasst wie man da eben sein kann.

Ein paar Atemzüge, ich entspanne, das Feuer entflammt die Blätter, ich ziehe und inhaliere, versuche den überraschend angenehmen Rauch möglichst lange in der Lunge zu halten, atme aus, es schmeckt auf ungewöhnliche Weise metallisch, nur wenig Rauch ist sichtbar. Ich bin mir zunächst nicht sicher, scheinbar findet keine Veränderung statt. Schade. Ich nahm noch ein paar Blätter, welche ich klein bröseln wollte. Dabei merkte ich plötzlich ganz leichte Veränderungen was meine Hand-Augen-Koordination betraf. Irgendwie fiel es mir schwerer meine Hände präzise zu bewegen, es fühlte sich leicht schwammig an. Vorfreude kam auf. Der zweite Kopf war schnell gestopft, die Lunte brannte und ich zog. Beim ausatmen war ich gespannt ob nun etwas mehr passieren würde. Zu aufregend haben sich die euphhorischen Trip-Berichte gelesen. Bitte Sally, entfache deine magischen Fähigkeiten. Ich starrte auf den Bildschirm, wo das Interstellar Cover zu sehen war. Ich traute meinen Augen nicht. Es fing an sich sanft zu bewegen. Es war, als wäre es wie in einem Videospiel animiert. Es sah wunderschön aus. Mit Freude fragte ich meine Partnerin, ob das Cover ein Standbild oder animiert ist. Natürlich antwortete sie mit „Standbild“, nichtsdestotrotz sah ich gerade das faszinierendste Phänomen meines Lebens. Es war herrlich! Die Musik so entspannend und der Satellit flog durch das All, als wäre es das normalste der Welt. Ich war überwältigt und glückselig. Doch das war nur der Anfang.

Ich schloß meine Augen und spürte linksseitig einen Sog, welcher aber nicht körperlich war. Es war, als würde etwas an meinem Geist/meiner Seele ziehen. Und tatsächlich ist das nun folgende wirklich schwer zu beschreiben. Obwohl meine Augen geschlossen waren, habe ich Dinge gesehen und gespürt. Insbesondere das was man fühlt ist unglaublich. Nach diesem gefühlten Sog ist einfach alles anders. Nichts was man sieht oder fühlt lässt sich mit den uns bekannten physikalischen Gesetzen vergleichen oder erklären. Ich war äußerst überwältigt. Vermutlich reicht die menschliche Sprache gar nicht dafür aus, um etwas zu beschreiben, von dem man es nie für möglich gehalten hat. Ich sah/spürte eine Membran, wie von einem Lautsprecher. Diese Membran schwebte im Raum. Ich flog darauf zu, ohne zu wissen wie mir geschah. Ich war fasziniert davon, dass ich offenbar sehen konnte, obwohl meine Augen geschlossen waren. Die Empfindung über diesen neuartigen Zustand löste Begeisterung in mir aus. Es war, als ob ich eine fremde Welt betreten habe, obwohl ich in dem Moment noch wusste, dass mein Körper zu Hause auf der Couch saß. Doch wo war ich? Wie kann das sein? Sämtliche physikalischen Gesetze, die für gewöhnlich unser Dasein bestimmen, waren außer Kraft gesetzt. Ich hatte keinen Körper mehr, mein Geist war frei. Die Membran pulsierte, wie die Membran eines Lautsprechers, wenn man sehr laut Musik hört. Es tauchten Farben auf, die im Takt der Musik tanzten. Ich konnte Musik sehen! Noch viel mehr als das: Ich spürte eine Vertrautheit in diesem seltsamen Zustand, als ob meine Seele nach Hause gegangen wäre. Es fühlte sich wie ankommen an, als ob meine Seele diesen „Ort“ kennt oder schon mal dort war.Ist das der Ort, an dem unsere Seelen von einem Leben zum nächsten wandern? Waren wir hier schon mal vor unserer Geburt? So fühlt es sich nämlich an. Ich war völlig überwältigt von den neuen Eindrücken dieser fremden und zeitgleich vertrauten Realität. Es war so, als ob es eine andere Realität gibt, oder mehrere, die sich aber definitiv real anfühlen. Es fühlt sich ebenso glaubhaft und real an wie die Realität in der ich gerade diese Zeilen tippe bzw. diese Zeilen von dir gelesen werden. Man ist aber auch ein wenig damit überfordert die ungewohnten Eindrücke zu verarbeiten, bzw. gibt die menschliche Sprache das gar nicht her. Auch war jegliches Zeitgefühl komplett außer Kraft gesetzt, als ob keine Zeit existieren würde.

Wie aus dem Nichts folgte irgendwie erneut ein Ruck, allerdings zurück in meinen Körper. Das Gefühl wieder zurück in seinen Körper zu gelangen, bzw. die gewohnte Realität zu spüren, lässt sich auch ganz schwer beschreiben. Ich war überwältigt von den Eindrücken der … ja wie lange war ich eigentlich weg? Ein paar Minuten waren es wohl. Ich saß auf der Couch und war überwältigt. Was habe ich da erlebt? Zu was ist eine Pflanze bitte in der Lage? Alleine die Tatsache, dass ich das Gefühl hatte meinen Körper zu verlassen, ist einzigartig. Aufgrund der veränderten physikalischen Gesetze „vor Ort“, hatte ich jegliches Zeitgefühl komplett verloren. Das sind bereits zwei Dinge, die ich in dieser extremen Form zuvor noch nicht erlebt habe, bzw. nie für möglich hielt. Mir war klar, dass ich mich ab sofort intensiv mit Salvia beschäftigen und häufiger auf Reisen gehen werde. Sowas abgefahrenes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Als ob man bei Matrix die rote Pille geschluckt hätte.

Diese ersten Eindrücke haben mein Weltbild komplett verändert. Sind Körper und Geist etwa doch nicht untrennbar miteinander verbunden? Sind wir Menschen miteinander verbunden? Gibt es hinter unserer bekannten Realität, noch weitere Realitäten? Was ist Realität überhaupt? Ist das hier überhaupt real? Oder leben wir in einer Matrix oder einer komplett anderen Welt? Diese Fragen haben mich die nächsten Tage begleitet, ich musste viel über das erlebte nachdenken, bevor ich mit Sally erneut auf Reisen ging.



Von den ersten harmlosen Gehversuchen

Es folgten weitere Trips, jeweils mit getrockneten Blättern, bevor ich mich an die viel stärkeren Extrakte trauen würde. Die ersten Erfahrungen, möchte ich eher zusammenfassend schildern, weil es zunächst nur kleinere Erfahrungen waren. Da gab es z.B. den einen Abend, an dem ich zur Entspannung via Kopfhörer Musik von Jean Michel Jarre gehört habe. Nach dem Genuss von Sally D wurde die Musik sehr lebhaft. Bei geschlossenen Augen sah ich die grafische Darstellung von Equalizern, welche sich im Takt der Musik bewegten. Doch damit nicht genug, die Equalizer krochen quasi direkt in meinen Gehörgang und massierten meine Ohren von innen. Ich konnte Musik plötzlich sehen UND spüren! Wahnsinn. Von genau solch einer Erfahrung habe ich immer geträumt. Musik scheint ein wichtiger Faktor in meinem Leben zu sein. Zuerst begegnet mir eine Membran und als nächstes konnte ich es sehen und spüren. Was kommt als nächstes?

Ich erinnere mich auch an einen Abend, da habe ich vor dem Schlafengehen einen Kopf geraucht. Da es noch sommerlich heiß war, hatte ich nur den Bezug meiner Bettdecke verwendet, quasi wie ein dünnes Laken. Ich lege mich hin, will einmal die Decke aufschütteln damit ich es mir darunter bequem machen kann, da sah ich plötzlich richtig schöne OEVs. An der Stelle, wo ich die Decke über mir in der Luft aufgeschüttelt habe, formten sich aus den Konturen der Decke wunderschöne Nordlichter. Die Decke schwebte auf mich herab und über mir blieben diese leuchtenden Nordlichter, herrlich! So lässt es sich entspannt einschlafen.



September 2020
Erste Reise mit Extrakt


Nach den ersten Gehversuchen mit Salvia wollte ich es wissen, und fügte zu meiner Mischung aus getrockneten Blättern eine kleine Prise Extrakt hinzu. Es war ein Wochenende und ich war bereit richtig abzuheben. Stimmung war gut, ich war entspannt und guter Dinge, der Bongkopf gestopft. Nach der Inhalation habe ich es mir auf der Couch bequem gemacht und mich direkt auf meine linke Seite gelegt, mit dem Gesicht zur Couch in weiser Vorbereitung, da es ja immer diesen linksseitigen Sog gibt. Bevor ich von der Couch falle, kullere ich lieber in Richtung Rückenlehne. Also hingelegt und es ging direkt los. Ich spürte den linksseitigen Sog sehr schnell und heftig, Es war als ob ich einen Turbo gezündet hätte, die „Schälungen“, die Realitäten, alles flog und rauschte in einem wahnwitzigen Tempo an mir vorbei. Ich war gefühlt fast komplett losgelöst von der hiesigen Realität, ich spürte nur noch wie ich mich mit einer Hand an der Couch festgekrallt habe. Ich öffnete kurz meine Augen, warum kann ich gar nicht sagen, es wirkte nicht mal sonderlich bewusst, vielmehr wie ferngesteuert. Als ich meine Augen öffnete, bot sich mir ein Anblick den ich nie vergessen werde. Alles in meinem Wohnzimmer verflüssigte sich. Ein Regal voller DVDs und Blu-Rays ist regelrecht geschmolzen und die Wand heruntergelaufen, wie wässrige Farbe. Der Lichtschalter und einfach alles an Möbeln in meinem Blickfeld veränderte sich, verflüssigte sich und rutschte nach unten. Ich dachte mir noch „Holy Shit!“ und schloss wieder meine Augen. Ich hörte eine weibliche Stimme „las los“ sagen, was ich dann auch tat. Plötzlich war alles schwarz, als ob ich bzw. mein vom Körper losgelöster Geist im All war. Oder war dies der Hyperraum? Ich spürte wie es in mir anfing sich zu drehen, als ob irgendetwas in mir sich bewegt, dreht, verformt und eindreht. Ein geniales Gefühl, gar nicht schlimm und irgendwie vertraut, obwohl man nichts Vergleichbares kennt. Dann bemerke ich, dass ich gar keinen Körper mehr habe bzw. keinen Körper mehr spüre. Nur dieses unglaublich entspannte, verdrehende Gefühl in mir. Es fühlte sich anders an als alles was ich kannte, aber es machte mir keine Angst. Eine Glückseligkeit flutete mich, von innen heraus. War ich im All oder war ich das All selbst? Ich sah/fühlte sowas wie eine Spiralgalaxie, es war ein atemberaubend schönes Gefühl, sehr erhaben. Auch schien jegliche Zeit still zu stehen, der Moment wirkte wie eine kleine Ewigkeit.

Wie so oft war jegliches Zeitgefühl nicht existent. Ich hatte nicht die geringste Ahnung wie lange dieser glücklich losgelöste Zustand anhielt. Es war, als würde das Glück in mir drin sein. Ich kann diese Erfahrung kaum in Worte fassen. Den nächsten Tag habe ich viel darüber nachgedacht. Diese Eindrücke, die Gefühle, das Weltbild, es ist so anders als alles was man kennt oder dachte zu wissen. Ich glaube wir wissen gar nichts! So langsam wird mir klar, was den Reiz von Psychedelika ausmacht. Ich fange an mir immer mehr Wissen anzulesen, egal ob Salvia, Pilze oder DMT. Meine Begeisterung für dieses Thema überrascht mich selbst. Ich sehe mich schon als alten Hippie Esoteriker von anderen Welten und Bewusstseinszuständen lamentieren. Mein Kontakt zu Salvia verändert einfach alles.

Der nächste Reisebericht wird einen Perspektivwechsel beinhalten. Vor ein paar Tagen wollte meine Partnerin nach dem Gucken einer DMT Doku getrocknete Salvia Blätter mit einer Prise Extrakt rauchen. Ich war ihr Tripsitter und eines Vorneweg: Ich hatte mehr zu tun als ich es für möglich gehalten hätte. Salvia ist wirklich extrem mächtig.
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kleinerkiffer84
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Re: Salvia Divinorum - Meine ersten Reiseberichte

Beitrag von kleinerkiffer84 » 11. Okt 2020, 20:00

Wunderbar, ich bekomme beim Lesen flashbacks :good:
Genau, Salvia ist irgendwie vertraut, obwohl man nichts vergleichbares kennt, dass trifft es wirklich gut auf den Punkt.
Ausgesetzt in der Salviawelt, bei mir habe ich nur meine Bong und ein Feuerzeug. Entitäten werden mich begleiten. Ich zeige Ihnen, wie man hier überlebt!
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Regnewrum
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Re: Salvia Divinorum - Meine ersten Reiseberichte

Beitrag von Regnewrum » 23. Okt 2020, 17:18

Wow so schön, wie du das in Worte fassen kannst.

"So langsam wird mir klar, was den Reiz von Psychedelika ausmacht."
Genau den Gedanken habe ich auch mit jeder neuen Reise (und es hört nicht auf!) :rolleyes:
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Nimble
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Re: Salvia Divinorum - Meine ersten Reiseberichte

Beitrag von Nimble » 24. Okt 2020, 23:05

Ich möchte mich an dieser Stelle kurz zu Wort melden. Eigtl sollten meine Berichte längst weitergehen, aber da sich im privaten eine ganze Menge unvorhersehbares ereignet hat, weiß ich noch nicht ob so bald neue Berichte folgen werden.
Auf lange Sicht definitv, nur ist es aktuell "kompliziert", was aber nichts mit Salvia oder anderen Substanzen zu tun hat ;)
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