Iboga-Heraustreten aus der äusseren Welt

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sven1977
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Iboga-Heraustreten aus der äusseren Welt

Beitrag von sven1977 » 5. Jun 2021, 22:07

Meine Iboga-Erfahrung ist äusserst spontan entstanden. Ich hatte damals, diese Erfahrung hatte ich Ende des Jahres 2018, mit dem Gedanken gespielt, eine Full-Fload zu machen im
zeremoniellen Rahmen mit Begleitung und wollte testen ob ich bereit dafür bin. Deshalb machte ich alleine zuhause eine halbe Full-Fload mit 14 Gramm Iboga der pulverisierten
Rinde der Pflanze die ich in Kapseln abgefüllt hatte. Ich kannte die körperlichen Einschränkungen und Risiken die bei der Einnahme auftreten können und war zu dem Schluss gekommen dass das
Risiko bei einer Dosis von 14 Gramm im Anbetracht meiner ausserordentlich guten sportliche Fitness kalkulierbar war und das hat sich eigentlich auch als richtig herausgestellt.
Es ist zwar sehr intensiv aber die motorischen Fähigkeiten sind noch soweit intakt dass z.B. Toillettengänge ohne Probleme möglich sind. Allerdings wäre es wichtig dass da jemand ist der
zum Beispiel dafür sorgt dass Wasser und Mikronährstoffe in gewissen Abständen eingenommen werden weil man selber das nicht tun wird weil man geistig mit anderen Dingen beschäftigt ist.
Oder es muss direkt neben dem Bett stehen. Am besten mit Wecker, sonst passiert da garantiert gar nix. Der Körper braucht das, denn es ist kein Pilztrip der nach
5 Stunden zu Ende ist. Nährstoffmangel und Schlafmangel sind 2 Faktoren die dazu beitragen dass die Erholungszeit sich über mehrere Tage erstreckt wenn die eigentliche Erfahrung schon zu Ende ist.

Die Reise verläuft in mehreren Phasen und dauert 2 Tage und 2 Nächte. Danach habe ich nochmal 2-3 Tage gebraucht um mich körperlich wieder zu stabilisieren. Man sollte danach nicht
arbeiten müssen oder andere Verpflichtungen haben, sonst tut man sich damit nichts Gutes. Die Erfahrung ist sehr kräftezehrend und muss auch auf einer geistigen Ebene verarbeitet
werden.
Es ist aber absolut lohnenswert, vielleicht sogar lohnenswerter als jede andere psychedelische Erfahrung. Und zwar deshalb weil man sich nach der Reise wie neugeboren fühlt und wirklich die
Chance hat, einige grundlegende Dinge im Leben zu verändern. Das Gefühl von tiefer Dankbarkeit und völliger Klarheit in Bezug auf die eigene Bestimmung und das was wirklich zählt im
Leben ist oft am Ende die Belohnung, zumindest war es bei mir so. Und das hatte ich in dieser Deutlichkeit bisher eigentlich bei keiner anderen psychedelischen Substanz erfahren.
Die Bereitschaft die Vergangenheit zu akzeptieren und ganz neu anzufangen war ganz stark ausgeprägt. Wenn man aber dann nicht ins Handeln kommt, wird dieses Gefühl wieder verfliegen.
Ich denke das gilt aber für fast jede Art von Erkenntis, dass es immer entscheidend ist was von dieser inneren Erkenntnis dann tatsächlich umgesetzt wird, denn sonst bleibt es nur eine Idee.
Die alten Muster und Gewohnheiten sind sehr stark und werden sich dann wieder durchsetzen wenn das Neue nicht täglich praktiziert wird. Das ist meiner Meinung nach auch das grosse Problem bei den Psychedelika und es wird viel zu wenig darüber gesprochen wie man dem begegnen kann.
Natürlich gibt es auch Leute für die eine "Reise" schon lebensverändernd war. Ich bin aber überzeugt davon, dass in diesen Fällen sehr viel Vorarbeit geleistet wurde und es dann nur noch
Klick machen musste. Was ich unter dieser Vorarbeit verstehe, dass lasse ich mal offen weil das an dieser Stelle viel zu weit führen würde.

Nach dieser langen Einleitung komme ich jetzt zu meiner eigenen Iboga-Erfahrung und versuche das Erlebte zu beschreiben. Allerdings werde ich diesen Trip nicht inhaltlich in Form einer
Geschichte oder Vision ausgestalten können wie das zum Beispiel bei einem nächtlichen Traum oft möglich ist, weil es diesen Inhalt schlichtweg nicht gab. Auch meine Ayahuasca Erfahrung
war inhaltlich so bildgewaltig und facettenreich dass ich es verfilmen könnte. Bei Iboga war das völlig anders.

Die Hauptwirkung der 1.Phase erstreckte sich über ca. 6 Stunden, kann bei entsprechend höheren Dosierungen auch deutlich länger dauern. Ich nahm zuerst 7 Gramm und wartete die Wirkung
ab. Sie trat nach ca. 30-40 min in Form einer starken Euphorie und Stimulierung auf. Darauf sprach mein Suchtcharakter sofort an und ohne nachzudenken nahm ich direkt weitere
7 Gramm. Ich dachte tatsächlich dass sich die Euphorie damit steigern lässt. Aber weitere 30 Minuten später wurde ich eines Besseren belehrt. Wie ein Donnerschlag fuhr die Wirkung
wirklich innerhalb von Sekunden ein. Das war extem faszinierend weil es war nicht einfach nur eine psychotrope Wirkung sondern ich merkte dass ich plötzlich auf einer ganz anderen
Frequenz unterwegs war. Ich wusste dass jetzt Schluss mit Party ist. Nach der 1.Dosis hatte ich noch gut gelaunt Musik gehört und meine Wohnung aufgeräumt.

Jetzt hörte ich einen mir sehr fremdartigen Summton und ich spürte tatsächlich die berüchtigte Grossvater-Energie für die Iboga seit Jahrtausenden bekannt ist. Sie teilte mir mit (natürlich
nicht in Worten) dass ich mich hinlegen und gut zuhören soll was er mir zu sagen hat. Ich wurde ganz demütig und spürte dass ich jetzt alles anschauen musste was jetzt kam.
Ich war erfüllt von Ehrfurcht und Angst. Ich lag wie erstarrt in meinem Bett, welches ich 6-8 Stunden nicht mehr verlassen habe und habe meine Emotionen beobachtet.
Da war sehr viel Angst aber in keinster Weise eine Angst wie ich sie normalerweise kenne. Sondern eher eine Angst die sich zutiefst richtig und notwendig angefühlt hat.
Ich habe mich noch nie so "bei mir" gefühlt, es gab nur noch meine eigene innere Welt und die äussere Welt war nicht mehr wichtig. Wäre jemand bei mir gewesen, dann hätte ich trotzdem
kein einziges Wort mit ihm reden wollen, nicht aus mangelndem Respekt sondern weil ich so sehr in mir selbst drin war.
Ich kann gar nicht beschreiben was ich genau gedacht und erlebt habe in den ersten 6 Stunden. Ich war in einem permanenten Zustand von Ehrfurcht, Demut, Dankbarkeit. Jegliche Arroganz
und Selbstüberschätzung die meinem Ego als Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen und Unsicherheit dient war wie ausgelöscht. Mein Ego ist so strukturiert, dass es sich immer supergut
fühlen will und permanent die Bestätigung braucht dass es auch Grund dazu hat sich supergut zu fühlen.
Dieses Ego wurde vom Grossvater mit strenger harter Hand niedergeknüppelt und in die Demut gezwungen. Diese Energie liess keinen Widerstand im Sinne von dagegen Ankämpfen zu.
Er sagte zu mir im metaphorischen Sinne: "Was bildest du dir eigentlich ein? Nach welchen Werten/Prinzipien richtest du eigentlich dein Leben aus? Sieh dir mal an was du dir selbst und
anderen Menschen die dir nahestehen damit antust? " Hier wird aus meiner Sicht sehr gut das Stirb und Werde-Prinzip deutlich. Etwas in dir muss sterben damit an dieser Stelle etwas
Neues entstehen kann.

Die Botschaft der Iboga-Pflanze kam in Form eines tiefen Verstehens unmittelbar und es war kein gedanklicher Prozess notwendig. Die Botschaft erfüllte schlagartig mein ganzes Wesen und musste
auch nicht auf Richtigkeit überprüft werden. Mein Ego widersprach auch nicht. Dazu war es nicht mächtig genug in diesem Moment. Es sass irgendwo in der Ecke und wollte einfach
alles nur gut überstehen und erklärte sich einverstanden brav und lieb zu sein. Natürlich völlig berechnend und taktisch vorgehend wie man halt das Ego kennt. Es verfügt über einen
Werkzeugkoffer und kramt darin ständig herum und testet den Einsatz der einzelnen Werkzeuge. Armes kleines Geschöpf welches glaubt dass es alleine auf der Welt ist (vielleicht stimmt das sogar)
Eine Welt in der es aus Sicht des Egos keine Liebe gibt sondern nur Gegner oder Bewunderer.

Ich spürte dass ich diese Strenge brauchte, unter anderem auch, weil mein Ego nach immer mehr Macht strebte und dadurch viel Negatives erzeugte im Sinne von fehlender Verbundenheit zu
anderen Menschen. Iboga war hart, direkt und unmissverständlich und ich konnte voll in die Annahme gehen.
Ayahuasca lässt dich erstmal fühlen und wartet solange bis du von selbst sagst: Okay ich bin bereit. Iboga sagt einfach wie ein Polizist: Mitkommen, Wertsachen auf den Tisch legen, Hinsetzen
und Zuhören. Ist natürlich ein nicht ganz passendes Beispiel weil der Polizist selten eine wirklich wertvolle Botschaft für dich bereithält.

Nach der 1.Phase liess die Wirkung dann nach und ich kam in einen nachdenklichen, melancholischen Zustand der bestimmt 12-20 Stunden lang anhielt. Ich fühlte mich sehr schwach, blieb die
ganze Zeit liegen, konnte aber schon wieder etwas essen und trinken. Das Einzige was ich in dieser Zeit machte war Nachdenken. Nachdenken über die Botschaft und wie ich sie konkret
in meinem Leben umsetzen konnte.
Ich war nicht mehr berauscht, aber auch nicht wirklich nüchtern, bereit zu kommunizieren oder wieder mit dem Alltag zu beginnen. Ich konnte nicht schlafen aber es soll auch Leute geben
bei denen das anders ist.

Nach 2 Tagen ging ich morgens aus der Wohnung ins Freie und machte einen Spaziergang. Das war der schönste, wahrhaftigste Spaziergang den ich in meinem Leben unternommen habe.
Ich war total im Hier und Jetzt und habe zum ersten Mal die Schönheit der Natur und des Lebens wahrgenommen. Es fühlte sich so an als hätte es einen grossen Sturm gegeben und die
Welt wäre danach neu entstanden. Ich war sehr glücklich in diesen Stunden. Wenn man dieses Gefühl nur halten könnte. Es gäbe keine Probleme mehr, keine Anhaftung, keine Beschränkung,
kein verzweifeltes Streben mehr. Es war wohl eine Art zeitlich begrenzte Erleuchtung.
Aber schon während dieser Phase begann das Ego damit diesen Zustand zu hinterfragen und nach einem Fehler, einer undichten Stelle zu suchen. Im Grunde gibt es nichts anderes als So Sein, solange
dieses So Sein nicht gestört wird. Diese Störung ist gegeben, wenn das Ego eine fiktive Welt aus Bewertung und Dualität erschafft, die aus lauter Konstrukten und Standpunkten besteht über die
man dann ein Leben lang mit anderen Egos streiten kann.

Ein erleuchteter Mensch hat sich nach der Definition aus der Identifikation mit diesen Konstrukten gelöst und muss diese auch nicht mehr verteidigen. Ein erleuchteter Mensch hat trotzdem
ein ihm dienliches Ego, nur dass er sich über den nicht vorhandenen Realitätscharakter des Egos im Gegensatz zu der wahren Wirklichkeit in der sich sein Bewusstsein befindet bewusst ist.
Dieses Bewusstsein, welches hier in diesem Leben inkarniert ist und eine Erfahrung macht. Manchmal eben auch eine Psychedelische.
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SmellsLikeTeaN,NSpirit
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Re: Iboga-Heraustreten aus der äusseren Welt

Beitrag von SmellsLikeTeaN,NSpirit » 7. Jun 2021, 08:40

Danke fürs Teilen dieser Erfahrung, sehr interessant... :78:
educating the mind without educating the heart is no education at all -Aristoteles-
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kleinerkiffer84
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Re: Iboga-Heraustreten aus der äusseren Welt

Beitrag von kleinerkiffer84 » 7. Jun 2021, 19:03

Sehr interessanter Bericht, vielen Dank fürs Teilen! :98:
Ausgesetzt in der Salviawelt, bei mir habe ich nur meine Bong und ein Feuerzeug. Entitäten werden mich begleiten. Ich zeige Ihnen, wie man hier überlebt!
denderaama
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Registriert: 24. Aug 2019, 23:20

Re: Iboga-Heraustreten aus der äusseren Welt

Beitrag von denderaama » 7. Jun 2021, 22:31

Echt nicht schlecht geschrieben sehr interessanter Bericht !!!!
der sich zum Tier macht end geht das leid ein Mensch zu sein
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