Alk + Psychedelics

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Herr von Böde
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Alk + Psychedelics

Beitragvon Herr von Böde » 25. Jun 2019, 00:28

Ich muss zusehen das ich hier weg komme dachte ich nach dem 2ten immerhin durchgegarten "Bauchlappen" von Nachbars Grill.
Der Kartoffelsalat war fies, die Kinder waren langweilig und Achims grenzdebile und weibische Stimme nervte als er zum gefühlten 100sten mal vergeblich seinen Pinscher rief der am Gartenzaun kläffte.
Von Sabiene ganz zu schweigen, ekelhaft wie sie sich um jedes Lächeln der am Tisch sitzenden Männer bemühte.
Und übehaupt, warum ist Sabiene hier die einzige Frau?
Diese Leute sind - zumindest heute (warf ich im Geiste ein denn ich wollte mir meine schon längst vor Wochen gemachten Vorurteile nicht eingestehen) - nicht meine Welt.
Wie komm ich raus aus dieser Nummer?
Nichteinmal mein Handy hatte ich dabei, mein Smartphone, um jemanden um einen erlösenden Anruf zu bitten.
Was für eine Groteske, dachte ich.
Ich hab keine Ausrede, dachte ich.
Ich zog mich in den nächsten 20 Minuten aus den Gesprächen zurück, liess mich nichtmehr großartig verwickeln, gehänte betont...
"Das Bier steigt mir ganz schön zu Kopf", viel mehr brauchte es dann auch nicht um mich mehr oder weniger dezent aus der Affäre zu ziehen.
In diesem Gefüge fällt mein Unwille sicher nicht weiter auf, hoffte ich.
Das Versprechen sich bei Zeiten zu revangieren liess ich aus, wohl darauf achtend ob es in den Gesichtern Andeutungen für solche Erwartungen gäbe.
Der zu herzliche Abschied lässt mich denken, nichts falsch gemacht zu haben.
Zu frisch die Nachbarschaft um hier allzuviele Fettnäpfchen mitzunehmen.

2 Minuten später lag ich auf meinem Bett, ja und der Alkohl tat tatsächlich seine Wirkung.
Ich machte mir die nächste Flasche auf, erlöst, wie nach einem stressigem Arbeitstag, genoss ich der Situation etflohen zu sein.
Was mach ich jetzt mit dem kaputten Abend?
Meine Liebe musste Dienst tun und war im Stress ein längeres Telefonat ergab sich nicht.

Ich hatte die Tage vorher schon mit dem Gedanken gespielt mich intensiver mit Pilzen und (1p)LSD im Lowdosebereich zu beschäftigen.
Wenige Tage vorher hatte ich eine sehr intessante Erfahrung mit 16g frischen Cubensis.
Ich überlegte nicht lang und wog mir 2g keckstrockene Cubis ab.
Ich dachte das ich eine leichte Toleranz erwarten müsste und schätze Pi mal Daumen das 2g trockene Cubis mir eine mit der vorangegangenen vergleichbare Erfahrung ermöglichen würden.
Ich kaute gründlich und spühlte den Brei mit Bier hinunter.
Dann viel mir ein das ich ja schon gegessen hatte, was ich normalerweise zu unterlassen pflege, mindestens wenn ich oral Psychedelika einnehme und ich erwartete eine langsame Anflutung.

Sehr schnell wurde es dann aber ungewöhnlich bunt.
Ich kann hier keinen Zeitrahmen angeben, mir kam es ungewöhnlich rasant und - für diese Dosis (erst Recht auf nicht nüchternen Magen und in Erwartung wenigstens einer leichten Toleranz) ungewöhnlich bunt vor.
Das Morphen der Holzmaserung auf dem Möbilar und auf der Raufaser war locker vergleichbar mit einer doppelt so hohen Dosis oder mehr und es setzte schlagartig ein.
Für gewöhnlich setzt bei mir gleichzeitig mit dem Wirkungseintritt immer eine gewisse Bange mit an, "Was hast Du Dir hier angetan?" "Wo führt das hin?" und lässt erst langsam wieder nach.
Sicherlich dem Alkohl geschuldet wohl aber aber auch der Wirklichkeit des Bewusstseins es hier mit eine "locker händelbare Dosis" zu tun zu haben gab es diese Bange an diesem Abend überhaupt nicht.
Ich liess Psytrance laufen und schloss die Augen.
Mir kamen Erinnerungen an Kokain und Heroinräusche. Und zwar nicht die konkreten Begebenheiten sondern das Gefühl des jeweiligen Rausches war 1:1 da.
Ich machte die Augen wieder auf , war völlig erstaunt. Ich versuchte es erneut. Ja, jetzt hier kann ich mich fühlen wie im akuten Kokainrausch. Und ich kann es wieder loslassen, ich kann mich genauso ganz auf die Weichheit des Kissens einlassen. Ich kann machen was ich will, also ich kann fühlen was ich will.

Ich nahm mir einige Zeit um mit dem mich Hineinverstzen in verschiedne Substanzwirkungen zu spielen.
Aber ich bemerkte das es doch einen wesentlichen Unterschied gibt.
Grade Kokain weckt ein schwer zu stillendes Verlangen nach mehr. Jetzt konnte ich einfach wieder loslassen, zum Beispiel die Erfüllung der Weichheit des Bettes zu erleben und dafür das Kokain aus dem Kopf zu lassen.
Das was ich die ganze Zeit schon bemerkt hatte, das ich nämlich einfach fühlen kann was ich will wurd zur Gewissheit, zur Sicherheit.
So war es dann bald allein dieses Geborgengheitsgefühl das mich völlig ausfüllte, die Sensationen des Kokains, der Weichheit von Matratze und Federbett brauchte es gar nich mehr.
Es war eine unbeschreibliche Behaglichkeit.

Ich beschloss die Lowdoseabsicht fallen zu lassen.
Das im Medischrank verstaute DMT begann mich zu rufen.
Ich stellte ziemlich ärgerlich fest das die stehts geschonte, bessere Wage defekt war und ich nicht wirklich genau abwiegen kann. Es störte extrem das ich keine genau Menge abwiegen konnte. Dieser Ärger hielt mich dann kurz fest. Ich dosierte nur halbexakt, vielleicht auf 10 mg genau.
Das erste Rauchen ging sehr holprig, ich verkrampft, hatte Bedenken das Glaspfeiffchen versehendlich durchzubrechen.
Diese Verkrampfung war folge meines Ärgers.
Nach 3 Zügen stieg kein Dampf mehr aus der Pfeiffe auf, etwa 30 mg DMT waren inhaliert.
Die Wirkung nahm mit jedem Zug zu, als ich die Pfeiffe aus meiner verkrampften Hand legte und die andere das Feuerzeug loslassen durfte setzte aber sofort wieder Zufriedenheit, Entspannung und Sicherheit ein.
Das Morphen der Umgebung verstärkte sich enorm, verlor aber ein wenig etwas von dem Fliessenden, die Bewegungen wurden ruckartiger, auch kantiger.
Ich schloss die Augen und der Psytrance malte fasziniernde Bilder. In Wirklichkeit waren es viel mehr als Bilder - oder Filme - aber das ist soetwas das man eben erleben muss und unmöglich in Worte zu fassen oder zu erklären ist.
Ein Anflug von Lachanfall machte sich breit. Ich machte mir bewusst das einzig der Alkohl hier die körperlich bedenkliche Substanz war.
Ich brauchte gar nichts abzuwiegen. Bevor ich soviel habe damit es gefährlich wir fällt mir alles aus der Hand, dachte ich.
Wie albern mein Ärger über die defekte Wage doch war und diese Albernheit spürte ich und sie war ungklaublich komisch.
"Albernheit" dachte ich und musste an das letzte Analysegespräch denken wo mir auch etwas albern vorkam, aber auf eine ganz und gar bösartige, ja suizidale Weise.
Das der Analytiker etwas für mich als eine Katstrophe bezeicnetet kam mir wie ein Hohn vor.
Für wen hält der mich? Ich bin doch ganz ok und ein Krankenhausaufenthalt sollte für mich keine Katastrophe sein.
Mir wurde wieder deutlich wie sehr ich mit diesen Abwehgedanken meine Wirklichkeit verachtete, mich verachtete.
Mir wurde auch der Zusammenhang klar zwischen meinem Ärger wegen der kaputten Wage und diesem Trauma.
Die Nichtverfügbarkeit der Waage warf mich auf mich zurück, ich musste mich auf mich, mein Augenmaß, meinen gesunden Menschenverstand verlassen.
Die Katastrophe war das ich mich nicht auf mich verlassen wollte weil ja mit mir etwas nicht stimmte.
Man brachte mich als unschuldiges und unverständiges 2 jähriges Kleinkind weg, ins Krankenhaus, zu fremden Profis und liess mich im Stich, weil mit mir etwas nicht stimmte.
Die Katastrophe war das ich mich seit dem mit einem Fieber identifiziere, mit einer Krankheit.
Ich erkannte die Chance: Grade eben konnte ich mich noch fühlen wie auf Koks, wieso sollte ich mich jetzt nicht fühlen können wie ich mich damals gefühlt habe, als Kleinkind, in Fieberhalluzoinationen unter Fremden im Stich gelassen?
Ich versuchte es und ich begann zu heulen, ich heulte wirklich wie ein Kind.
Als das DMT nachliess begann ich mit dem (1P) Lsd, 150 µg.
Im Verlauf der nächsten 90 Minuten nahm ich mindestens noch 1x soviel nach. Ich weiss es nichtmehr genau.

Die Aussenwelt wurde zunehmnd strange, die Welt wurde immer flacher, der Hund sah wie gemalt aus, mit Glubschaugen die sich nichtmehr synchron mit seinem Kopf bewegten.
Bei derartig ausgeprägten Wahrnehmungsverzerrungen liege ich normalerweise flach, völlig ausser Stande noch zu denken oder gar zu handeln.
Aber ich rauchte immer weiter DMT.
Wieder begann ich zu heulen.
Ich rief meine Freundin an, ich sagte ihr wie gut es mir geht weil ich endlich heulen kann und sie heulte mit.
Von dem Gespräch weiss ich nichtmehr wirklich viel, nur das es mir nochmehr Sicherheit gab. Die Traurigkeit war ok, heilsam, sie fand einen Ausdruck.. Schlimm war das sie über Jahrzehnte verschütt gegangen war.
Nach dem Auflegen die nächste Pfeiffe, inzwischen hatte ich wohl schon 5 oder 6 Flaschen Bier getrunken ohne die Alkohlwirkung wirklich wahrzunehmen.
Und jetzt löste sich entgültig alles auf.
Ich weiss noch das ich an der Stelle kurz erschreckte, weil ich das Gefühl hatte mich nichtmehr im Körper zu befinden, mich dort nichtmehr halten zu können, aus dem Körper zu fallen, ich marschierte kurz durch die Wohnung, nah an aufkommender Panik und sagte mir dann : " las los, lass einfach los". Ich legte mich wieder und wusset das ich so schnell nicht wieder zurück kommen würde.
Der Gedanke des Loslassens beruhigte mich sofort, übergeben musste ich mich, zum Glück hatte ich da einen dichten Papierkorb stehen aber es kam auch nicht viel.
Und dann war ich weg.
Alles löste sich auf, nur die Rythmen und Loops des Psytrance trugen mich, sie waren jetzt die Wirklichkeit.

Über Stunden hielt dieser Zustand an. Zwischendurch versuchte ich im Forum etwas zu schreiben und zu lesen, konnte mich aber nicht an der Realität festhalten. Und alles war so schnell das ich keine Idee hatte wie ich zum Ausdruck bringen sollte was in mir vor ging.

Dann gab es ein Gewitter, ich setzte mich auf und schaute aus dem Fenster, noch immer weiss ich weder wie ich mich setzten konnte noch wie ich zum Fenster kam.Die reale Umgebung und auch mein Körper (hab ich eigentlich 2 Beine? wie erstaunlich, hab ich echt 2 Beine oder ist es doch nur eins, sind es vielleicht noch mehr????)war so verzerrt dass das hätte eigentlich nicht funktionieren dürfen aber ich tat es einfach.
Schon in dem Moment (und auch vorher schon) kam mir das total merkwürdig vor, als würde ich wie selbstverständlich gehen ohne zu sehen. Im Prinzip war ich blind, in dem Sinne dass das was ich optisch wahrnahm mir unmöglich eine Orientierung hätte ermöglichen können.
Ich dachte kurz an Alan Watts und seine Worte am Ende (Minute 3:20) dieser Rede :
You dont have to know how to shine the sun. You just do it, like you breath(...)
Und es war "das beste Gewitter meines Lebens".
Erhabenheit.... näher komm ich mit Worten da nicht dran.

So sehr ich ich mich bemühe, es ist unmöglich zu beschreiben was an diesem Abend mit mir passiert ist.
Viel viel freier fühle ich mich seit dem.
Das Heulen braucht noch weiterer Übung und da sind noch ganz andere Gefühle aber ich beginne zu begreiffen und anzunehmen wer ich wirklich bin.
Tatsächlich etwa in diesem Sinne bei etwa Miunte 108:30:

Die letzten Minuten des Videos (seltasame Synchronizität), halfen mir sehr zu versteh was an diesem Abend mit mir passierte.
Ich bin jemand der sich zwar locker hinter die Tür traut und der die "führende Hand" immer wieder wegschlägt aber doch ist da diese Lähmung, die gleichzeitig eine Hektik ist.
Und vielleicht schlage ich auch zuviele Hände weg.
"Bildung muss immer darauf abzielen liebgewohnte Denkmuster zu erschüttern."
- Prof. Dr. Rainer Rothfuß
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Bender
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Re: Alk + Psychedelics

Beitragvon Bender » 25. Jun 2019, 17:06

Ja, warum können die Nachbarn nicht mal ähnliche Vorlieben haben :m037:
Danke fürs einstellen - sich selbst wiederzufinden - da gibt es keine Worte für
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Gaius
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Re: Alk + Psychedelics

Beitragvon Gaius » 25. Jun 2019, 20:53

Danke für den Bericht :wub:
Donfoolio
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Re: Alk + Psychedelics

Beitragvon Donfoolio » 26. Jun 2019, 06:50

Schoener bericht! Wenn Achim uns Sabine wuessten, welche ekstasen da draussen auf sie warten...
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kleinerkiffer84
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Re: Alk + Psychedelics

Beitragvon kleinerkiffer84 » 26. Jun 2019, 20:06

Das war auf jeden Fall besser als ein Besäufnis mit stockkonservativen Nachbarn.
Wobei ich es mir aber kritisch vorstelle, alkoholisiert potente Substanzen nach Augenmaß zu dosieren, zum Glück waren alle toxikologisch unbedenklich. :D

Dieses Erschaffen einer eigenen Welt hatte ich mal auf einem 2C-B Trip. Ich konnte mir alles vor meinem geistigen inneren Auge erschaffen was ich wollte, ohne Zweifel und ohne störende Nebengedanken. Da hätte ich am liebsten wollen, dass der Trip nicht mehr aufhört und ich in meiner eigenen perfekten Welt bleibe.
Ausgesetzt in der Salviawelt, bei mir habe ich nur meine Bong und ein Feuerzeug. Entitäten werden mich begleiten. Ich zeige Ihnen, wie man hier überlebt!
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Herr von Böde
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Re: Alk + Psychedelics

Beitragvon Herr von Böde » 26. Jun 2019, 21:53

(...)
Wobei ich es mir aber kritisch vorstelle, alkoholisiert potente Substanzen nach Augenmaß zu dosieren, zum Glück waren alle toxikologisch unbedenklich. :D

(...)
Vom "Safer Use" nach Lehrbuch war dieser Abend sicher ein Stück weit entfernt.
Zum Safer Use gehört aber auch das man sich selbst ein Stück weit einschätzen kann und begriffen hat wo man das statische Lehrbuch individuell anpassen kann.
Das klingt wohl fürchterlich großkotzig, ist aber so. :)
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pilzjockel33
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Re: Alk + Psychedelics

Beitragvon pilzjockel33 » 26. Jun 2019, 22:19

unterhaltsam und sehr interessant dein Bericht

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