Fliegenpilz - Amanita muscaria

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Zebra
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von Zebra » 23. Mär 2020, 20:14

Soweit ich mich erinnern kann wird der Pilz dazu einige Tage in Salzlake gegeben um ihn zu entgiften...
Mein Versuch mit einer Fliegenpilzsuppe schlug fehl - als ich sah was da noch so darin schwamm, hatte ich auf einmal keinen Appetit mehr.

Danke NaturGeist, dass sich Ibotensäure und Glutaminsäure strukturell ähneln wusste ich nicht.
Dazu kommt mir irgendwie der Begriff Umami in den Sinn, ob man den Pilz wohl dieser Geschmacksrichtung zuordnen kann?

Der Pilz kann einen aber auch erstmal müde machen, eventuell auch mal schlafen schicken.
Soweit mir bekannt dockt doch Muscimol an die GABA Rezeptoren an?
Womöglich können diese doch eine gewisse Rolle bei Schlafstörungen und in der Behandlung von depressiven Verstimmungen spielen?
Aber ich weiss im Grunde genommen nichts.
Gastrodin (ein Stoff aus Gastrodia elata) welches möglichweise auch direkt an den GABA-Rezeptoren wirkt, wird unter anderem eine sedative, entkrampfende, schmerzlindernde und womöglich auch eine anti-depressive Wirkung nachgesagt...
Allerdings fehlen dazu aussagekräftige Studien am Menschen.


@chronic
Vor einigen Wochen habe ich eine Psychotria alba vorgestellt die bei mir mit auffälligen Merkmalen entstanden ist. Kam nix an Reaktion obwohl es in der westlichen Welt, zumindest hier in Europa, keine bekannten Strains zu alba gibt.
Das ist mir nicht entgangen, war aber verunsichert ob ich irgendetwas verpasst habe, da mir das völlig unbekannt ist.
Es kommt der eigenen Unwissenheit zu schulden :blush:
Hatte sogar nach "Saint Lucia" und "Espejo" gegoogelt.


€dit: Bier gebraut habe ich bis dato noch nicht.
Habe mich aber am Met Brauen versucht, der Thread müsste hier irgendwo noch sein.
Das Ergebnis war geschmacklich für ein Experiment eigentlich ganz passabel.
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pilzjockel33
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von pilzjockel33 » 23. Mär 2020, 21:20

Mir gefallen auch deine Bilder und Berichte zum Fliegenpilz. Ich habe auch schon viele tolle Erfahrungen mit dem Pilz gesammelt, ob als Likör, getrocknet, im Tee oder in Kombination mit spitzkegligen Kahlköpfen. Hier im Schwarzwald wächst er massenweise.
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NaturGeist
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von NaturGeist » 24. Mär 2020, 01:22

Wow, danke für das Feedback, bedeutet mir durchaus was!
Du machst einen guten Job, mit fundierten Informationen und wirklich genußvoll anzuschauenden Bildern, der genau den Nerv des Forengedanken trifft.
Immer genial, sich in respektvollem Umgang und auf so einem Niveau austauschen zu können! Nochmals Danke, und auch schön mal etwas in die Gemeinschaft zurückgeben zu können!

Auf Reaktionen lege ich es gar nicht unbedingt an, aber ich verstehe, was du meinst.
Zu Chacruna oder den Psychotrien im Allgemeinen kann ich leider nix sagen, da ich damit bisher keinerlei Erfahrungen sammeln durfte. Aber ich schätze sehr, was hier für echte, wichtige Forschung betrieben wird! Weiter so!

...in Salzlake gegeben um ihn zu entgiften... Mein Versuch mit einer Fliegenpilzsuppe...
Entgiften geht auch durch (teils mehrfaches) blanchieren oder köcheln und das Kochwasser verwerfen.
Und Suppe finde ich einen interessanten Gedanken, wie hättest du die machen wollen? Ich weiß aber was du meinst, daher unter anderem auch meine Vorliebe für jüngere Exemplare…
...der Begriff Umami... ob man den Pilz wohl dieser Geschmacksrichtung zuordnen kann?
Das denke ich schon, ja. Nimm dir mal ein paar Krümel Pilz und lasse ihn auf der Zunge. Du wirst definitiv eine Veränderung bemerken, vor allem wenn du davor und danach einen Geschmackstest mit etwas anderem machst. Ich persönlich finde ihn in Butter gebraten sehr lecker.
...GABA Rezeptoren... Schlafstörungen ... Verstimmungen
Ja, dazu wollte ich demnächst auch was hier schreiben. Dauert aber noch… Von Gastrodin höre ich zum ersten Mal.
Habe mich aber am Met Brauen versucht, der Thread müsste hier irgendwo noch sein.
Stimmt, dieser:
viewtopic.php?f=2&t=1194
Oha, hab mich grad durchgelesen, nach Met hab ich noch nicht gesucht! Danke für die Infos, kommt sicher mit auf die To-Do Liste! Wahnsinn, hast du noch weitere Versuche gestartet, evtl. mit anderen Kräutern?

@ Jockel
Dein Liköransatz würde mich auch noch interessieren. In Kombi mit den Kleinen hab ich den Fliegenpilz noch nie probiert, stelle ich mir eventuell etwas anstrengend vor. Wie war das denn?

Freue mich auf weiteren Austausch!
Es grüßt Euch der NaturGeist
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von Zebra » 24. Mär 2020, 16:06

Und Suppe finde ich einen interessanten Gedanken, wie hättest du die machen wollen?
Wahrscheinlich ist "Suppe" übertrieben, es waren einfach Fliegenpilzstücke in heissem Wasser, wahrscheinlich mehr wie ein Tee, im Nachhinein bin ich mir gar nicht sicher... ist schon eine lange Weile her.
Ich persönlich finde ihn in Butter gebraten sehr lecker.
Da bekommt man direkt Hunger...
...GABA Rezeptoren... Schlafstörungen ... Verstimmungen
Ja, dazu wollte ich demnächst auch was hier schreiben.
Freu mich darauf und bin gespannt :)
...hast du noch weitere Versuche gestartet, evtl. mit anderen Kräutern?
Ich habe den Basis Met nochmals gemacht, weil er ziemlich einfach zu brauen ist und mir so ganz gut geschmeckt hat.
Mit anderen Kräutern habe ich nicht weiter experimentiert, weil das Ergebnis mit den Kräutern etwas demotivierend war.
Kann mir aber gut vorstellen, dass frische Holunderblüten und Lindenblüten oder Hibiskusblüten mit getrockneten Apfelstücken vielleicht ganz gut schmecken könnten.
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von pilzjockel33 » 24. Mär 2020, 20:11

NaturGeist hat geschrieben:
24. Mär 2020, 01:22

@ Jockel
Dein Liköransatz würde mich auch noch interessieren. In Kombi mit den Kleinen hab ich den Fliegenpilz noch nie probiert, stelle ich mir eventuell etwas anstrengend vor. Wie war das denn?
war schon länger her als ich den gemacht habe.


ich habe ungefähr 2 mittelgroße Fliegenpilzhüte und ein dutzend Kahlköpfe verspeist und es machte sich eine Entspanntheit, mit Euphorie breit und leichten visuals.
Ein sehr angenehmer Zustand.
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von NaturGeist » 25. Mär 2020, 03:37

Jawoll,
@ Zebra:
Jetzt hast du's geschafft, es wird wohl ein Holunder-Met werden, ja...
@jockel:
Waah, in Kombi mit Minze mag ich Pilze gar nicht... heisst aber nix...
ich habe ungefähr 2 mittelgroße Fliegenpilzhüte und ein dutzend Kahlköpfe verspeist und es machte sich eine Entspanntheit, mit Euphorie breit und leichten visuals.
Ein sehr angenehmer Zustand.
Und ja, so kann ich mir diese Kombination sogar gut vorstellen. Macht auch ein wenig neugierig.

Banane-Hibiskus hab ich auch schon mal probiert, als Likör, war ebenfalls sehr lecker.
Grüße
Zeit zum wachsen geben. Sich und anderen.
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von NaturGeist » 25. Mär 2020, 03:55

Hallo,
dieses Mal mehr zum versprochenen Thema GABA, Schlafstörungen, Verstimmungen etc.

Hier erstmal, was ich so dazu gefunden habe, da wären die Strukturformeln von GABA, Muscimol, Ibotensäure und Muskarin. Alle recht ähnlich.
strukturen gaba muscimol ibotensäure muscarin.jpg
Dazu schreiben die seriöseren Quellen bei mir im Regal und im Netz:
Diese Wirkungen des Muscimols, die einer ins Extreme gesteigerten Alkoholvergiftung gleichen (jedoch ohne Kater), erklären sich daraus, dass sowohl Alkohol als auch Muscimol mit dem Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) interagieren. Muscimol gilt als GABA-Mimetikum und dient der pharmazeutischen Forschung mittlerweile als Modellsubstanz für Verbindungen, die auf das GABA-Transmittersystem spezifisch einwirken (insbesondere Schmerzmittel). Ungeklärt ist noch das gelegentliche Auftreten einer zusätzlichen, meist schwachen Muscarin-Symptomatik in der Anfangsphase der Vergiftung. Dazu zählen unter anderem Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Schwitzen, Speichelfluss. (Andreas Bresinsky, Helmut Besl: Giftpilze. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte und Biologen)
Ibotensäure - Eine nicht-proteinogene Aminosäure, die als Agonist an glutaminergen Rezeptoren wie dem NMDA-Rezeptorwirkt.
Muscimol aktiviert den GABA-A-Rezeptor und hemmt motorische Funktionen. Außerdem führt es zu einer Erhöhung des Gehaltes an Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin, Acetylcholin und einer Verminderung an Noradrenalin.
Es wird die Isolierung einer Substanz mit stark narkosepotenzierender Wirkung, des Muscimols C4H6O2N2, Smp. 155–156°, aus dem Fliegenpilz (Amanita muscaria) beschrieben. (Müller, G. & Eugster, C. 2004)
Die Ibotensäure hat pharmakologisch einen ähnlichen Wirkmechanismus wie das stark giftige Atropin aus der Tollkirsche (Atropa belladonna). Früher bezeichnete man die Inhaltsstoffe des Fliegenpilzes deshalb als Pilzatropin. Eine atropinähnliche (anticholinerge) Wirkung zeigt sich durch stark geweitete Pupillen (Mydriasis), warme trockene Haut und gesteigerten Pulsschlag (Tachykardie). Es gibt aber auch Vergiftungen mit komplett gegensätzlichen Symptomen. In diesen Fällen zeigen sich vor allem „cholinerge“ Wirkungen, mit Pupillenverengung (Miosis), Pulsverlangsamung (Bradykardie), Schweißausbrüchen und Speichelfluss. Die genauen Hintergründe für diese eigentlich gegensätzlichen Wirkungen sind noch nicht restlos geklärt (Hohn und Schoenemann ohne Jahresangabe)
Das Homöopathikum Agaricus muscarius passt zu Personen, die unter Unruhezuständen, hysterischen Anfällen und Zuckungen leiden und deren Schmerzen sich mit der Kälte verschlimmern und durch Wärme und viel Ruhe und Erholung verbessern. Wechseljahrbeschwerden, Blasen- und Darmkrämpfe gehören ebenso zu den Behandlungsgebieten. (Lexikon der Arnzeipflanzen und Drogen, Karl Hiller)

Erregungs- und Verwirrtheitszustände nennt auch Hagers Handbuch als Indikation für die Urtinktur, ebenfalls cerebrale Anfallsleiden und Substanzabusus. Die Anwendung zielt also gesichert in den vegetativ-nervlichen Bereich.

Im englischsprachigen Raum (aber nicht nur dort) habe ich immer wieder von der Verwendung der Tinktur als Tonikum gelesen. Also dauerhaft angewendet, allerdings in geringer Dosierung. So sollte das Mittel stärkend und ausgleichend wirken, und es wurden dazu viele kompetente und glaubhafte Angaben gemacht, vieles davon in englischen Foren wie dem dmt-nexus. Also begann ich damit zu experimentieren. Zuerst in homöopathischen Dosierungen, wovon ich nicht viel bemerkte, aber ich denke, mein Körper konnte sich so erstmals mit dem Pilz anfreunden.
Zwei oder drei Wochen später dosierte ich höher und blieb dann bei einem Esslöffel Tinktur täglich. Was mir als erstes auffiel war, dass mir über den Tag deutlich wärmer war als sonst. Ich erlebte aber zusätzlich eine veränderte Traumwahrnehmung, und ich denke auch, dass eine leicht verbesserte Grundstimmung damit einherging. Die Tinktur habe ich im kühleren Herbst und Winter gern zum draußen Arbeiten benutzt, mir war eigentlich immer warm. Teilweise so sehr, dass ich mir die Tinktur im Sommer echt gern erspart habe…
Ich meine auch, dass ich damals (bei längerer Einnahme) auch recht gut geschlafen habe, aber eher ruhig und traumlos. Dies hab ich leider zu der Zeit nicht beobachtet, war eher an der energetisierenden Komponente interessiert.
Da sich jedoch die Fachkundler über eine teilweise gegensätzliche Wirkung einig sind (wie oben zitiert), denke ich, dass sich ein jeder selbst an Wirkungen und Dosierungen rantasten muss.
Bei mir steht die Überzeugung, dass dieser Pilz mächtiges Werkzeug und Medizin ist, mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
Also ja, ich glaube durchaus, dass man ihn gezielt für Schlafprobleme anwenden könnte, wenn man sich damit befasst. Genau so gut kann ich mir andere Wirkspektren vorstellen, wie beim microdosing eben. Eine entspanntere Gemütslage konnte ich jedenfalls bemerken. Der weiter oben erwähnte Schnapsansatz gibt im übrigen einen exzellenten Schlummertrunk…
Einen positiven Effekt hatte ich definitiv davon, also ein echtes Tonikum!

So, das wär’s erst mal wieder.
Grüße

Edit/Nachtrag:
Mann, der Beitrag hätte ohne Cortos Hinweis anders ausgesehen...
Aber evtl hilft das jemandem weiter, auch wenn es nicht direkt um den Fliegenpilz geht :
Naturstoffe als GABAA-Rezeptor-Modulatoren, Diplomarbeit von 2012
http://othes.univie.ac.at/22891/1/2012- ... 846917.pdf
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von pilzjockel33 » 25. Mär 2020, 09:02

NaturGeist hat geschrieben:
25. Mär 2020, 03:37

@jockel:
Waah, in Kombi mit Minze mag ich Pilze gar nicht... heisst aber nix...

Banane-Hibiskus hab ich auch schon mal probiert, als Likör, war ebenfalls sehr lecker.
Grüße
man kann es natürlich auch ohne Minze ansetzen, hab ich auch schon gemacht :)
einmal habe ich den Likör noch zusätzlich mit jeder Menge spitzkegligen Kahlköpfen verfeinert
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von Zebra » 25. Mär 2020, 10:38

Danke für das Zusammenfassen deiner Recherchen und den Erfahrungsbericht.

Die Ibotensäure hat pharmakologisch einen ähnlichen Wirkmechanismus wie das stark giftige Atropin aus der Tollkirsche (Atropa belladonna). Früher bezeichnete man die Inhaltsstoffe des Fliegenpilzes deshalb als Pilzatropin. Eine atropinähnliche (anticholinerge) Wirkung zeigt sich durch stark geweitete Pupillen (Mydriasis), warme trockene Haut und gesteigerten Pulsschlag (Tachykardie). Es gibt aber auch Vergiftungen mit komplett gegensätzlichen Symptomen.
Das ist interessant.
Bin damals im Zuge meiner Recherchen auf den Hinweis gestossen, dass Atropin aufgrund der gegensätzlichen Wirkung als "Gegenmittel" bei den Symptomen einer Fliegenpilzvergiftung wirkt.
Ich halte es für eine gefährliche und dumme Idee, den Symptomen mit der Einnahme von atropinhaltigen Pflanzenteilen gegenzusteuern.
Das wollte ich nur mal festhalten.
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Re: Fliegenpilz - Amanita muscaria

Beitrag von NaturGeist » 25. Mär 2020, 17:20

Magst Recht haben damit, dass das gefährlich werden könnte...
Soweit ich weiss, wird bei einer akuten Vergiftung Minimalstdosierung Benzo gegeben, natürlich nur unter penibler Überwachung. Bin aber auch kein Mediziner. Mit allem nachtschattigen muss man eh Vorsicht walten lassen. Sicher nicht zur Selbstmedikation in Vergiftungsfällen geeignet!
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